Nach monatelangen Spannungen zwischen Linus Torvalds und dem Hauptentwickler von Bcachefs, Kent Overstreet, wurde eine ungewöhnliche Lösung gefunden: Der Code von Bcachefs bleibt zwar Teil des offiziellen Linux-Kernels, trägt nun aber die Kennzeichnung „extern gewartet“. Diese Einstufung, die in der Kernel-Historie bislang beispiellos ist, bedeutet, dass das Dateisystem im Kernel verbleibt, jedoch keine aktive Weiterentwicklung durch das Kernteam erfährt. Damit hat Torvalds den vielfach erwarteten Ausschluss von Bcachefs vorerst abgewendet. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf heise.de.

Konkret heißt das: Der aktuelle Stand von Bcachefs entspricht der Version 6.16 des Linux-Kernels. Die von Overstreet für die kommende Version 6.17 eingereichten Änderungen wurden von Torvalds nicht angenommen. Anwender, die Bcachefs bereits nutzen, können somit unbesorgt auf neuere Kernel-Versionen umsteigen. Damit wird verhindert, dass bestehende Installationen durch sogenannte Regressionen unbrauchbar werden – ein Szenario, das Torvalds konsequent vermeiden will.

Allerdings bringt der Status „extern gewartet“ Risiken mit sich. Sollte jemand Overstreets extern gepflegten Code oder dazugehörige Werkzeuge einsetzen, könnten inkompatible Änderungen an den Strukturen des Dateisystems entstehen. In diesem Fall würde der offizielle Kernel das Einhängen des Dateisystems verweigern, was schwerwiegende Probleme nach sich ziehen könnte. Torvalds selbst machte deutlich, dass solche Risiken nicht durch den Kernel abgefangen werden sollen, sondern von den Entwicklern, die sich außerhalb des Kernels bewegen.

Die Ursachen für die Konflikte liegen tiefer. Overstreet reichte mehrfach weitreichende Änderungen während der Stabilisierungsphase neuer Kernel-Versionen ein – ein Vorgehen, das von Torvalds und vielen erfahrenen Entwicklern als riskant bewertet wurde. Hunderte andere Kernel-Entwickler halten sich seit Jahrzehnten an die Regeln, die sicherstellen sollen, dass in dieser kritischen Phase keine instabilen Änderungen erfolgen. Overstreet stieß zudem auch bei anderen Entwicklern auf Widerstand, da er wiederholt Code veränderte, der nicht zu seinem Bereich gehörte – teils ohne vorherige Absprache. Schon beim Vorgängerprojekt Bcache war es zu ähnlichen Konflikten gekommen, die letztlich dazu führten, dass Overstreet die Pflege der Lösung für SSD-Caching aufgab.

Innerhalb der Kernel-Community wird die neue Vorgehensweise offenbar von zentralen Entwicklern mitgetragen. Hinweise aus Patch-Beschreibungen und Reaktionen im Entwicklerumfeld zeigen, dass Torvalds die Entscheidung nicht allein traf, sondern im Austausch mit führenden Mitgliedern der Community. Welche Konsequenzen das hat, ist noch offen. Große Distributionen wie Debian, Fedora oder openSUSE werden voraussichtlich entweder die Kernel-eigene Version von Bcachefs weiterführen oder die Unterstützung ganz deaktivieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass große Projekte Overstreets externe Variante übernehmen, gilt als gering – schon aus Gründen der Wartbarkeit.

Für kleinere Distributionen könnte dies jedoch eine Gelegenheit sein, sich von den Großen abzugrenzen und Fans von Bcachefs gezielt anzusprechen. Insgesamt bleibt die Situation für Anwender zwiespältig: Einerseits ist Bcachefs weiterhin Teil von Linux und bietet Bestandsnutzern Stabilität, andererseits stagniert die Weiterentwicklung im offiziellen Kernel. Damit steht das Dateisystem in einer Art Warteschleife – und die Zukunft von Bcachefs innerhalb des Linux-Kernels bleibt offen.

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