Nach über einem Jahrzehnt Stillstand rollen in Pfungstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg) endlich die Bagger: Im Süden der Stadt entsteht das neue Schwimmbad, das Familien, Schulen und Vereinen künftig modernste Bade- und Saunaerlebnisse bieten soll. In ein fünf Meter tiefes, 30 Meter breites und 33 Meter langes Fundament wird das zentrale Schwimmbecken eingelassen – das Herzstück der neuen Anlage. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf tagesschau.de.
Errichtet wird das Bad auf dem Gelände des früheren Wellen- und Freibads, das 2014 wegen gravierender Brandschutzmängel schließen musste. Das alte Gebäude aus den 1970er-Jahren wurde wenig später abgerissen. Seit Mitte Oktober herrscht auf der Fläche wieder rege Bautätigkeit, der Rohbau hat begonnen. Wenn alles nach Plan läuft, soll die Eröffnung 2028 erfolgen. Ende 2027 werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein, anschließend folgt ein dreimonatiger Probebetrieb, bei dem örtliche Vereine das Bad testen dürfen.
Geplant ist eine Halle mit einem 25-Meter-Becken und acht Bahnen, von denen sich drei mechanisch in der Tiefe verstellen lassen. „So können Schul-, Baby- oder Erwachsenenschwimmen flexibel stattfinden“, erklärt Stadtrat Jochen Kockegei (CDU), der das Projekt federführend begleitet. Durch eine Trennwand soll das Wasser zudem in unterschiedliche Temperaturzonen unterteilt werden.
Der Freibadbereich wird mit einer 50 Meter langen Rutsche, einem Wasserspielplatz und großzügiger Liegewiese samt Spielplatz und Beachvolleyballfeld ausgestattet. Im Saunabereich entstehen mehrere Innen- und Außensaunen mit Schwimmteich, Ruheraum und separatem Freiluft-Liegebereich. Ein Restaurant soll sowohl für Badegäste als auch für Saunabesucher zugänglich sein.
Trotz breiter Zustimmung in der Bevölkerung – rund 80 Prozent der Befragten sprachen sich 2019 für den Neubau aus – bleibt das Projekt politisch umstritten. Vor allem die Finanzen sorgen seit Jahren für Diskussionen. Denn schon der Abriss des alten Bads hinterließ einen bitteren Beigeschmack: Noch zwei Jahre vor der Schließung hatte die Stadt 6,1 Millionen Euro in einen neuen Saunatrakt investiert, der nur anderthalb Jahre in Betrieb war. Diese Entscheidung wurde später im „Schwarzbuch“ des Steuerzahlerbundes Hessen als Beispiel für Steuerverschwendung angeführt.
Bürgermeister Patrick Koch (CDU) und andere Kommunalpolitiker warnten daher bei den Planungen vor Übermaß und forderten ein kleineres Bad für Schulen und Vereine. Die Stadt entschied sich jedoch für die größere Variante. Nach aktuellen Berechnungen belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 45 Millionen Euro. Nach Abzug von Fördergeldern und Mehrwertsteuererleichterungen verbleiben etwa 33 Millionen Euro, die Pfungstadt selbst tragen muss.
Kockegei verteidigt die Entscheidung: Ein kleineres Bad sei langfristig wirtschaftlich unattraktiver, da geringere Einnahmen höhere Defizite erzeugten. „Wir rechnen vorsichtig mit 130.000 Besuchern im Schwimmbad und weiteren 30.000 in der Sauna pro Jahr“, erläutert er. Etwa 1,5 Millionen Euro an Betriebskosten blieben der Stadt jährlich, bei einem reinen Sportbad wären es rund 350.000 Euro mehr.
Zum Vergleich: Die Stadt Dieburg investierte kürzlich 8,5 Millionen Euro in ein reines Sportbad – Pfungstadt müsste sein neues Bad rund 70 Jahre betreiben, um die Mehrkosten auszugleichen. Doch das Angebot geht weit über ein Standardbecken hinaus. Der Erste Beigeordnete des Landkreises, Lutz Köhler (CDU), bezeichnete das Projekt als „Meilenstein für die ganze Region“. Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich zeigen, sobald die ersten Badegäste 2028 ihre Bahnen ziehen.
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