Im hessischen Heusenstamm testet die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil ein innovatives System, das den Radverkehr effizienter und gerechter gestalten soll. Im Rahmen eines Pilotprojekts können Radfahrer künftig per App den grünen Ampelphasen auf ihrer Strecke aktivieren – vorausgesetzt, der Autoverkehr hat keine Vorfahrt. Über das Pilotprojekt informiert Bürgermeister Steffen Ball, der sich kürzlich persönlich vor Ort über das neue System informierte. „Die App zeigt an, wie schnell man fahren muss, um die Ampel auf Grün zu bekommen“, erklärt Ball. „Die Ampeln kommunizieren direkt mit dem Handy. Sollte der andere Verkehr keine Vorfahrt haben, wird die Ampel für die Radfahrer auf Grün geschaltet.“ Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf hessenschau.ch.
Das Projekt wird an zwei Kreuzungen in Heusenstamm sowie an einer weiteren in der Obertshausener Gemarkung getestet. Besonders bemerkenswert ist die Kreuzung an der Heusenstammer Straße, wo der Radweg häufig die Straßenseite wechseln muss. Früher blieb die Ampel dort oft lange auf Rot, was für Radfahrer eine erhebliche Benachteiligung darstellte. Laut Roland Heidl, dem Radverkehrsbeauftragten von Heusenstamm, war dies nicht nur unpraktisch, sondern auch ungerecht: „Radfahrer mussten immer am längsten warten. Das empfanden wir als ungerecht.“
Dank der neuen App soll der Radverkehr nun schneller und ohne unnötiges Warten über die Ampeln hinwegkommen. Heidl ist nach den ersten Tests von der Idee überzeugt: „Wenn die App mir hilft, die Signalphasen freizuschalten, ohne dass ich anhalten und warten muss, dann bringt das definitiv einen Mehrwert.“
Lukas Laszlo, Projektleiter bei Hessen Mobil, ist ebenfalls optimistisch: „Mit dieser Technologie könnten wir den Radverkehr landesweit beschleunigen. Es wird jedoch noch Zeit brauchen, bis wir das System großflächig einsetzen können.“ Das System ist darauf ausgelegt, den digitalen Austausch mit mehr als 2.400 Ampeln in Hessen zu ermöglichen. Diese neueren Modelle können digitale Signale empfangen und entsprechend reagieren.
Datenschutzbedenken wurden ebenfalls adressiert. Die Übertragung der Daten erfolgt verschlüsselt, und der Projektleiter betont, dass es keine Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre gebe. „Jeder kann die App herunterladen, ohne seinen Namen anzugeben. Wir erkennen einfach nur, dass jemand fährt“, sagt Laszlo.
Ein weiterer Aspekt des Projekts ist die Erkennung von Radfahrergruppen. Momentan wird die grüne Ampelphase durch den ersten Radfahrer mit App aktiviert, doch es ist geplant, auch Gruppen von Radfahrern zu erkennen. Ernesto Varvaroussis, Geschäftsführer der AVT-Group, die die App bereitstellt, erklärt: „Wir arbeiten an einer Technologie, die es ermöglicht, auch größere Gruppen von Radfahrern zu berücksichtigen und die Grünphase entsprechend länger zu halten.“
In Marburg gibt es bereits ein ähnliches System, bei dem Radfahrer erkannt werden, ohne eine App zu verwenden. Sara Müller, eine überzeugte Radfahrerin aus Marburg, nutzt das System jedoch nicht. „Es gibt auch Systeme, die ohne GPS-Tracking Radfahrer erkennen und zumindest eine Grünschaltung anfordern“, erklärt sie. Ihrer Meinung nach ist es technisch nicht notwendig, auf eine App zurückzugreifen.
Letztlich wird es auf die Radfahrer selbst ankommen, ob sich die neue Technologie in der Praxis durchsetzt. Wird das Bestellen der Grünphase über die App als nützlich empfunden, könnte es einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung des Radverkehrs leisten. Doch ob das System langfristig erfolgreich wird, hängt von der Akzeptanz der Nutzer ab.
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