Die Staatsdomäne Marienborn, gelegen zwischen Hammersbach und Büdingen, ist ein Beispiel für den zunehmenden Verlust von fruchtbarem Ackerland in der Wetterau. Landwirt Christoph Förster bewirtschaftet dort etwa 300 Hektar Land und baut unter anderem Getreide und Kartoffeln an. Doch das besonders fruchtbare Ackerland in der Region ist zunehmend gefragt, nicht nur von Landwirten, sondern auch von Logistikunternehmen. In unmittelbarer Nähe seines Betriebs entstanden in den letzten Jahren auf rund 30 Hektar das interkommunale Gewerbegebiet Limes, das von Büdingen, Hammersbach und Limeshain entwickelt wurde. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf hessemschau.ch.

„Alles, was hier bebaut wird, sind in der Regel Ackerflächen“, sagt Förster. Der Druck auf die Landwirte steigt, da für jede neu versiegelte Fläche an anderer Stelle ein Ausgleich geschaffen werden muss. „Die Flächen sind nicht vermehrbar“, erklärt Förster weiter. Jeden Tag werden in Hessen 2,5 Hektar Boden versiegelt, sei es für den Straßenbau, Wohngebäude oder eben für Gewerbegebiete. Diese Entwicklung führt zu einem erheblichen Verlust an landwirtschaftlich genutztem Boden.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, haben sich der „Bund für Umwelt und Naturschutz – BUND“ in Hessen und der Hessische Bauernverband bereits vor Jahren zusammengeschlossen. Beide fordern, die Neuversiegelung von Böden zu minimieren. Dies könnte durch die Reaktivierung leerstehender Gewerbeflächen oder die Nutzung von Flächen auf oder unter Gebäuden geschehen. Doch laut Werner Neumann, Vorstandsmitglied des BUND Hessen, sei dies für viele Kommunen und Investoren zu aufwändig. „Für eine Kommune ist es immer einfacher, eine neue Fläche zu erschließen“, so Neumann.

Der BUND geht auch juristisch gegen Logistikprojekte auf unversiegelten Flächen vor. In der Wetterau hat der BUND unter anderem gegen Teile des Gewerbegebiets Limes sowie gegen ein Amazon-Lager in Echzell und das REWE-Logistikzentrum in Wölfersheim Berstadt geklagt.

Trotz dieser Widerstände sind Gewerbegebiete in der Region für die Kommunen finanziell attraktiv. Das Gewerbegebiet Limes bringt derzeit etwa eine Million Euro an Steuereinnahmen, die auf die beteiligten Kommunen verteilt werden. Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner sieht dies als wichtigen Beitrag, um die Grundsteuer stabil zu halten und die Kommunen gegen Krisen zu wappnen. „Das hilft uns, die Grundsteuer nicht zu erhöhen“, sagt Göllner.

Jedoch wird das interkommunale Projekt Limes noch weiter ausgebaut, was zur Versiegelung zusätzlicher Ackerflächen führen wird. Am Ende soll das Gebiet rund 48 Hektar groß sein, wodurch noch mehr landwirtschaftliche Flächen verloren gehen werden.

Der Hessische Bauernverband spricht sich gegen eine weitere Versiegelung von fruchtbarem Ackerboden aus, doch Christoph Förster glaubt nicht, dass alle Landwirte sich diesem Trend entziehen können. „80 Prozent der Ackerflächen in der Wetterau sind verpachtet, und die Eigentümer sind oft keine Landwirte mehr“, erklärt Förster. „Sie haben keinen Bezug mehr zu den Böden und sagen irgendwann: Wir verkaufen.“

Sowohl Förster als auch Neumann glauben, dass der Boden zu günstig sei. Unternehmen bevorzugen es, auf freien Flächen neu zu bauen, anstatt bestehende Gebäude zu modernisieren, was den Verlust an landwirtschaftlichen Flächen weiter vorantreibt.

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