Nach Abschluss der umfassenden Sanierung der Riedbahn droht dem Bahnhof Mörfelden ein herber Einschnitt. Nach den Plänen der Deutschen Bahn soll der Regionalexpress 70 (RE 70) ab dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 weitgehend nicht mehr in Mörfelden halten. Vorgesehen ist lediglich ein eingeschränkter Halt in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Diese Nachricht hat in der Bürgerschaft wie auch in der Lokalpolitik erheblichen Widerstand ausgelöst. Als Reaktion wurde eine Onlinepetition gestartet, um den Halt des RE 70 in Mörfelden zu sichern. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf fr.de.
Die Petition mit dem Titel „RE 70 Haltestelle Mörfelden Bahnhof erhalten!“ wurde am 30. August von SPD-Ortsvereinsvorsitzendem Maximilian Gegenheimer ins Leben gerufen. Innerhalb von nur zweieinhalb Wochen sammelte er 2018 Unterschriften, die er in einem Koffer symbolträchtig an Bürgermeister Karsten Groß (CDU) übergab. Der Bürgermeister erklärte, die Unterschriften seien ein wichtiges Signal der Bürgerschaft und würden ihn in den anstehenden Gesprächen mit der Deutschen Bahn unterstützen.
Am Donnerstag trifft Groß im Rathaus von Mörfelden mit einem Vertreter der DB zusammen. Ursprünglich war das Gespräch wegen der geplanten ICE-Neubaustrecke Frankfurt–Mannheim anberaumt, nun aber steht der drohende Wegfall des RE-70-Halts ganz oben auf der Agenda. Parallel plant Groß, kurzfristig einen Gesprächstermin mit der RMV-Geschäftsführung zu vereinbaren. Nach Angaben der Deutschen Bahn liege die Entscheidung über die Streichung bestimmter Halte beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der entsprechende Vorgaben gemacht habe.
Für Empörung sorgte zusätzlich, dass die Stadt Mörfelden-Walldorf vorab nicht offiziell informiert wurde. Laut Groß sei die Änderung lediglich „halbwegs versteckt“ in einem Bericht der Riedwerke am 27. August aufgetaucht. Darin war erstmals von „Fahrplanänderungen auf der Riedbahn zum Fahrplanjahr 2026“ die Rede. Konkret sollten die stündlichen Halte in Mörfelden und Mannheim-Waldhof entfallen – bis auf wenige Ausnahmen. Gegenheimer erklärte, er habe den Eindruck gewonnen, die Bahn habe das Thema bewusst zurückgestellt.
Die Proteste blieben nicht auf die Petition beschränkt. Am 2. September beschloss das Stadtparlament von Mörfelden einstimmig einen Dringlichkeitsantrag für den Erhalt der Haltestelle. Nur wenige Tage später, am 8. September, folgte der Kreistag Groß-Gerau mit einem gleichlautenden Beschluss. Damit sprach sich die Kommunalpolitik geschlossen gegen die Pläne der Bahn aus.
Die Befürchtungen der Bürger sind erheblich. Mörfelden, mit 15.000 Einwohnern, würde durch den Wegfall den direkten Anschluss nach Mannheim verlieren. Zudem gingen rund 33 Prozent der Verbindungen nach Frankfurt verloren. Zwar fährt die S-Bahn-Linie S7 im Halbstundentakt zum Frankfurter Hauptbahnhof, doch gilt sie als unzuverlässig. An Wochenenden kam es bereits zu kompletten Ausfällen. Bürgermeister Groß betonte: „In einer Zeit, in der wir Menschen für den öffentlichen Nahverkehr begeistern wollen, ist die Reduzierung von Haltepunkten das völlig falsche Signal.“
Die Deutsche Bahn verweist hingegen auf zwingende Gründe. Der Wegfall der Halte sei notwendig, um den geplanten Halbstundentakt der ICE-Züge zwischen Frankfurt, Flughafen und Mannheim gewährleisten zu können. Nur durch die Beschleunigung des RE 70 könne die Kapazität der modernisierten Riedbahn effizient genutzt werden. In einer Stellungnahme hieß es: „Die beiden Halte Mörfelden und Mannheim-Waldhof weisen die geringste Fahrgastnachfrage auf und verfügen über eine Anbindung an die S-Bahn.“ Zudem verkürze sich die Fahrzeit auf der Strecke durch den Entfall der Stopps um sechs Minuten.
Ganz neu ist diese Diskussion nicht. Schon 1998 gab es Überlegungen, die Halte in Mörfelden und Walldorf zugunsten des Fernverkehrs zu streichen. Damals kam es ebenfalls zu einer Petition. Gegenheimer erinnert sich, dass in seiner Studienzeit ein Kompromissmodell praktiziert wurde: In einer Stunde hielt der RE 70 in Mörfelden, in der nächsten in Walldorf. Auch diesmal habe ein DB-Mitarbeiter angedeutet, dass ein solches Modell wieder zur Debatte stehen könnte. Für Gegenheimer wäre das ein möglicher Ansatz, doch bekräftigte er: „Unser Ziel bleibt, beide Haltestellen dauerhaft zu erhalten.“
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Foto von Annette Schlegl
