Die Unruhe unter den Beschäftigten von DB Cargo wächst. Nach internen Informationen blicken rund 80 Prozent der Mitarbeitenden der Deutschen-Bahn-Tochter mit Sorge auf ihre berufliche Zukunft. Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens hat sich seit Jahren kaum verbessert, und die jüngsten Ankündigungen verstärken die Angst vor weiteren Kürzungen. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf op-online.de.
Die EU-Kommission hatte bereits im vergangenen Jahr klare Bedingungen gestellt: Finanzielle Ausgleichszahlungen vom Mutterkonzern Deutsche Bahn dürfen nur noch fließen, wenn DB Cargo bis Ende 2026 die Rentabilität nachweisen kann. Für die Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta bedeutet das massiven Handlungsdruck. Sie versucht mit einem strikten Sparkurs, das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu führen – ein Vorhaben, das intern und extern zunehmend auf Widerstand stößt.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bewertet Nikuttas Kurs als gescheitert. In einer scharf formulierten Pressemitteilung forderte die Gewerkschaft unlängst ihre Abberufung. „Nikuttas Bilanz ist verheerend – über 3,1 Milliarden Euro Minus seit ihrem Amtsantritt sprechen für sich“, erklärte Cosima Ingenschay, stellvertretende Vorsitzende der EVG. Sie betonte weiter: „Nikutta hat das Vertrauen verloren. Für uns ist klar: Nur ein personeller und strategischer Neuanfang kann DB Cargo retten.“
Die Gewerkschaft hebt die zentrale Rolle von DB Cargo für die deutsche Wirtschaft hervor: Ohne die Güterbahn stünde der industrielle Kreislauf still – kein Hochofen, keine Stahlproduktion, keine Automobilfertigung. Die EVG wirft der Vorstandsvorsitzenden jedoch vor, sich in medialer Selbstdarstellung zu verlieren, anstatt das System Schiene zu stärken. „Ihre Energie fließt in Schlagzeilen, nicht in Lösungen“, kritisierte Ingenschay.
Der Zeitpunkt der massiven Kritik ist kein Zufall. Bereits im Dezember 2024 hatte Nikutta angekündigt, bis 2029 rund 5.000 der damals 18.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Hinzu kamen Pläne zur Schließung mehrerer Werke – auch in Hessen. Nun zeigen neue interne Berechnungen, dass die Dimension des geplanten Stellenabbaus noch größer sein könnte, als bisher öffentlich bekannt war.
Laut einem von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zitierten Gutachten der Beratungsfirma Oliver Wyman soll die Zahl der Beschäftigten von 19.000 im Jahr 2023 bis 2030 auf nur noch rund 10.100 sinken. Das entspricht einer Reduktion um fast die Hälfte der gesamten Belegschaft. Diese Prognose basiert auf einem Sanierungskonzept, das der Vorstand selbst in Auftrag gegeben hatte, um das Unternehmen auf langfristige Effizienz zu trimmen.
Ob die drastischen Empfehlungen des Gutachtens in vollem Umfang umgesetzt werden, bleibt jedoch offen. Interne Quellen, auf die sich echo-online.de beruft, berichten, dass selbst der Vorstand der Deutschen Bahn ein derart tiefgreifendes Szenario derzeit nicht für realistisch hält. Trotzdem herrscht in vielen Standorten Unsicherheit – insbesondere in Hessen, wo mehrere Werke als strukturell gefährdet gelten.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Zwischen der Notwendigkeit wirtschaftlicher Sanierung und der Verantwortung gegenüber tausenden Beschäftigten steht DB Cargo an einem kritischen Punkt. Ob Sigrid Nikutta den Spagat zwischen Reform und Vertrauen noch meistern kann, bleibt fraglich – die Zweifel in den Reihen der Gewerkschaft und Belegschaft wachsen weiter.
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