Führende US-Bankenverbände drängen den Kongress zu einer Verschärfung der Stablecoin-Regulierung. Hintergrund ist eine Gesetzeslücke im neuen GENIUS Act, die es Emittenten nach Ansicht der Banken ermöglichen könnte, ein bestehendes Zinsverbot für Stablecoin-Inhaber zu umgehen. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf cryptotimes.io.
In einem Schreiben vom Dienstag warnte das Bank Policy Institute (BPI) gemeinsam mit der American Bankers Association, der Consumer Bankers Association, der Independent Community Bankers of America und dem Financial Services Forum, dass die aktuelle Formulierung des Gesetzes indirekt Zinszahlungen ermögliche – etwa über verbundene Unternehmen oder Partnerbörsen.
Der GENIUS Act, der am 18. Juli 2025 von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet wurde, untersagt es Emittenten, Zinsen oder Renditen direkt an Stablecoin-Halter zu zahlen. Allerdings hindert er verbundene Firmen – zum Beispiel Krypto-Börsen – nicht daran, Anlegern für das Halten von Stablecoins auf ihren Plattformen Belohnungen oder Erträge gutzuschreiben.
Banken befürchten, dass genau dieser Mechanismus Einlagen aus dem traditionellen Bankensystem abziehen könnte. Laut einem Bericht des US-Finanzministeriums vom April 2025 könnten zinsbringende Stablecoins Abflüsse von bis zu 6,6 Billionen US-Dollar aus Bankeinlagen verursachen – Geld, das Banken normalerweise für die Kreditvergabe nutzen.
Vertreter der Branche warnen, dass Stablecoins – anders als Bankeinlagen oder Geldmarktfonds – weder Kredite finanzieren noch in Wertpapiere investieren. Sollten Investoren verstärkt auf höhere Renditen durch Stablecoins setzen, könnte dies zu höheren Kreditkosten, weniger vergebenen Darlehen und einer geringeren Kreditverfügbarkeit führen – besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Schon jetzt setzen Stablecoin-Emittenten Zinsen als zentrales Marketinginstrument ein. Einige zahlen direkt, andere – wie USD Coin (USDC) – arbeiten mit Börsen wie Coinbase oder Kraken zusammen, um Anleger zu belohnen. Genau diese Struktur sei laut Banken der Punkt, den das Gesetz bislang nicht effektiv verhindere.
Der Stablecoin-Markt ist derzeit mit 280,2 Milliarden US-Dollar noch vergleichsweise klein im Verhältnis zur US-Geldmenge von 22 Billionen Dollar (Stand Juni 2025, Federal Reserve). Der Markt wird von Tether (USDT) mit 165 Milliarden Dollar und USDC mit 66,4 Milliarden Dollar dominiert.
Das US-Finanzministerium erwartet jedoch, dass Stablecoins bis 2028 ein Volumen von rund 2 Billionen US-Dollarerreichen könnten. Befürworter sehen im GENIUS Act einen wichtigen Schritt zur Stärkung von US-Dollar-gestützten Stablecoins und damit zur Festigung der globalen Rolle des Dollars.
Banken warnen jedoch: Solange die Zinslücke nicht geschlossen wird, könnte dieses Wachstum zulasten der Finanzstabilität gehen. „Das Ergebnis wird ein höheres Risiko von Einlagenabflüssen sein, das die Kreditvergabe in der gesamten Wirtschaft untergräbt“, so die Einschätzung des BPI.
Was ist der GENIUS Act und wie funktioniert er
Der GENIUS Act ist ein US-Gesetz zur Regulierung von Stablecoins, das am 18. Juli 2025 von Präsident Donald Trump unterzeichnet wurde. Ziel des Gesetzes ist es, den Markt für digitale, an den US-Dollar gekoppelte Währungen sicherer und transparenter zu gestalten.
Zentrale Punkte des Gesetzes
- Verbot direkter Zinszahlungen
Emittenten von Stablecoins dürfen ihren Inhabern keine Zinsen oder Renditen direkt auszahlen. - Registrierungspflicht
Stablecoin-Anbieter müssen sich bei den zuständigen Behörden registrieren und regelmäßige Finanzberichte vorlegen. - Transparenz der Reserven
Es gilt die Pflicht, jederzeit ausreichende und sichere Reserven zu halten, um Stablecoins 1:1 in US-Dollar zurückzutauschen. - Finanzaufsicht
Die Einhaltung wird von US-Regulierungsbehörden wie dem Finanzministerium und der Federal Reserve überwacht.
Die „GENIUS-Act-Lücke“
Trotz des Zinsverbots können verbundene Unternehmen oder Partnerplattformen (z. B. Krypto-Börsen) Inhabern von Stablecoins Belohnungen für das Halten ihrer Token gewähren.
Dieser indirekte Weg, Erträge auszuzahlen, gilt als gesetzliche Lücke. Banken warnen, dass dies Einlagen aus dem Bankensystem abziehen und die Kreditvergabe schwächen könnte.
Lesen Sie Nachrichten über Frankfurt, hilfreiche Tipps zur Stadt, alles rund um Business sowie aktuelle Krypto-News wie diese: Wie beantrage ich einen günstigen Kredit in Hessen – Tipps für 2025
Fotowww.cryptotimes.io
