Markus Hegen und Ludmilla Juraschko aus Heusenstamm haben sich einer Mission verschrieben, die inmitten des Krieges in der Ukraine außergewöhnlich und gefährlich zugleich ist. Der Verein „Tiernothilfe Ukraine“, den sie leiten, fährt regelmäßig in Gebiete nahe der Front, um streunende Hunde und Katzen zu sammeln, sie kastrieren und impfen zu lassen. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf op-online.de.
In einem vollgepackten Transporter, der mit allem ausgestattet ist, was für die Rettung von Tieren notwendig ist – von Tierfutter bis hin zu Käfigen, Geschirren und Medikamenten – machen sich Hegen und Juraschko mehrfach jährlich auf den Weg in die Ostukraine, um dort das Leben von Straßenhunden und -katzen zu retten. Mit dabei: nicht nur der Transport von Leben rettenden Hilfsmitteln, sondern auch kugelsichere Westen, Helme und Erste-Hilfe-Sets, die den extremen Risiken dieser Reisen Rechnung tragen.
Seit Kriegsbeginn sind Hegen und Juraschko mehrmals im Jahr in den gefährdeten Regionen der Ukraine unterwegs. Sie fahren in Dörfer und Städte, um die streunenden Tiere zu sammeln, sie tierärztlich behandeln zu lassen, zu impfen und zu kastrieren. Am Samstag, dem 16. August, reisen sie erneut in die Stadt Lyman im Osten der Ukraine, um ihre lebensrettenden Tätigkeiten fortzusetzen.
„Wenn man an der Front ist, ist es total krass“, berichtet Hegen über die Gefahren, denen er und sein Team ausgesetzt sind. „Aber ich bin so auf meine Aufgabe fokussiert, dass ich alles ausblende.“ Zu Beginn des Krieges, als die russischen Truppen Ende Februar 2022 in die Ukraine einmarschierten, war die größte Gefahr von Artilleriebeschuss und Granaten ausgegangen. Heute stellt jedoch vor allem die Bedrohung durch Drohnen eine ernsthafte Gefahr dar.
Die Tierschutzarbeit von Hegen und Juraschko begann bereits vor dem Krieg. Der Ursprung ihres Engagements liegt jedoch in einer persönlichen Geschichte. „Eigentlich hat alles mit Tschernobyl begonnen“, erklärt Hegen. In den Jahren vor dem Krieg reiste er als Hobbyfotograf durch Europa und besuchte verlassene Orte, sogenannte „Lost Places“. 2016 führte ihn sein Weg erstmals in die Ukraine, wo er Juraschko traf, die zu dieser Zeit als Tourführerin in Tschernobyl tätig war. Schnell stellte er fest, dass die Ukraine nicht nur für ihre verlassenen Orte bekannt war, sondern dass auch die Straßen von Tieren bewohnt waren. Laut der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ lebten vor Kriegsbeginn schätzungsweise bis zu 200.000 streunende Hunde und noch mehr Katzen in den Städten und Dörfern des Landes.
„Die Tiere haben hier keine Chance, allein zu überleben“, sagt Juraschko. „Viele Menschen fliehen, werden evakuiert oder haben ihre Haustiere zurückgelassen. Diese Tiere sind auf sich alleine gestellt und leiden unter Hunger, Krankheit und oft auch Verletzungen.“ Besonders in den ländlichen Gebieten gibt es nur wenige Tierärzte, die in der Lage sind, die Tiere zu kastrieren, und die wenigen verfügbaren Dienstleistungen sind oft zu teuer für die ärmeren Bevölkerungsschichten. In den Städten gibt es zusätzliche Vorurteile gegenüber der Kastration von Tieren, was die Situation noch weiter verschärft.
Im Jahr 2017, nach der ersten Begegnung mit Juraschko, beschloss Hegen, etwas zu tun. Was als lose Gruppe begann, entwickelte sich 2020 zu einem eingetragenen Verein. Seitdem reisen Hegen und ein engagiertes Team von Freiwilligen in verschiedene Städte und Dörfer der Ukraine, um Straßenhunde und -katzen zu fangen und sie tierärztlich versorgen zu lassen. Über 2000 Tiere haben sie bereits gerettet, und die Zahl wächst stetig.
Der Verein hat sich dazu entschlossen, die Tiere nicht in Deutschland zu vermitteln, sondern sie direkt bei Hegen und seinen Vereinsmitgliedern unterzubringen. „Wir wollen die Veränderung vor Ort anstoßen“, erklärt Hegen. „Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden, und das geht nur, wenn wir in den Dörfern aktiv werden.“
Trotz des ständigen Risikos und der ständigen Gefahr durch den Krieg haben Hegen und Juraschko nicht aufgehört, für das Wohl der Tiere zu kämpfen. Ihre Arbeit ist nicht nur lebensrettend für die Tiere, sondern auch ein Symbol für Hoffnung inmitten der Zerstörung, die der Krieg über die Ukraine gebracht hat.
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Foto von op-online
