In Frankfurt am Main bleibt die Qualität des Schulessens ein zentrales Thema für Eltern, Schüler:innen und die Stadtverwaltung. Laut Frankfurter Stadtelternbeirat erhalten Kinder weiterhin Mahlzeiten, die weder ausreichend sättigen noch ausgewogen sind. Caterer bekommen pro Essen knapp zehn Euro brutto, während Schüler:innen bis zu drei Euro bezahlen müssen. Hinzu kommen Engpässe bei Mensa-Kapazitäten: Viele Schulen planen nur für 30 Prozent der Schülerschaft einen Mensaplatz, was gestaffeltes Essen erzwingt. Gleichzeitig verzögern sich Sanierungen und Neubauten trotz der „Schulbauoffensive“. Die Frankfurter Stadtelternvertretung fordert daher schnellere Modernisierungen und bessere Verpflegung. Dies berichtet die Redaktion von SoFrankfurt unter Berufung auf FR.

Hintergrund: Schulessen in Frankfurt unter Kritik

Die Debatte begann im November 2024, als eine Mutter ein Foto des Mittagessens ihres Kindes in der Frankfurter Musterschule veröffentlichte. Zu sehen war eine halbe Kartoffel mit einem Klecks Kräuterquark. Die Reaktion in den sozialen Medien und lokalen Nachrichten war massiv: Viele Eltern berichteten über ähnliche Erfahrungen.

Katja Rininsland, Vorsitzende des Stadtelternbeirats, erklärte:
„In vielen Schulen wird nach wie vor Essen serviert, das Kinder nicht satt macht. Erwachsenen würde man das nicht hinstellen.“
Sie betonte, dass Eltern aktiv dokumentieren sollten, wenn die Schulleitung die Nutzung von Handys während des Mittagessens erlaube. „Fotos sind das stärkste Mittel, um Caterer zur Qualitätsverbesserung zu bewegen.“

Kostenstruktur der Schulverpflegung

Die Kosten sind wie folgt aufgeschlüsselt:

KategorieKosten pro Essen
Catererca. 10 € brutto
Schülerbis 3 €
Stadtbudget (jährlich)ca. 12 Mio. €

Rininsland betonte: „Für das Geld, das die Stadt ausgibt, muss sichergestellt sein, dass Kinder ausgewogen und ausreichend essen.“

Mensa-Kapazitäten: Engpässe verschärfen das Problem

In vielen Frankfurter Schulen reichen die Mensa-Kapazitäten nicht aus. Schüler:innen müssen oft in gestaffelten Schichten essen, teilweise innerhalb von nur 15–20 Minuten. Rininsland kritisierte:
„Selbst bei Neubauten plant die Stadt nur für 30 Prozent der Schüler Mensaplatz ein. Das reicht nicht, um ein entspanntes Mittagessen zu gewährleisten.“

Tabelle: Mensa-Kapazitäten ausgewählter Schulen

SchuleSchülerzahlMensaplätze geplantProzentsatz abgedeckt
Musterschule Frankfurt60018030%
Viktor-Frankl-Schule2006030%
Gymnasium Schillerstraße90027030%

Rininsland fügte hinzu: „Die gestaffelten Essenszeiten führen dazu, dass Kinder unter Zeitdruck essen und oft nicht alles schaffen.“

Sanierungen: „Langsam wie eine Wanderdüne“

Neben der Essensqualität ist der bauliche Zustand vieler Schulen problematisch. Regine Haub, Vorsitzende des Bauausschusses des Stadtelternbeirats, kritisierte:
„Von den prioritären Projekten der Schulbauoffensive sind bisher nur sechs abgeschlossen. Angesichts des riesigen Bedarfs müssten es jährlich mindestens zehn sein.“

Die „Schulbauoffensive“ der Stadt Frankfurt umfasst:

  • Neubauten und Erweiterungen von Grund- und Förderschulen
  • Modernisierung von Klassenzimmern, Sanitär- und Mensa-Anlagen
  • Barrierefreie Zugänge

Haub betonte, dass langsame Baufortschritte direkte Auswirkungen auf die Verpflegung und die Lernbedingungen hätten.

Fallbeispiel: Viktor-Frankl-Schule

Astrid Bissinger, stellvertretende Vorsitzende des Stadtelternbeirats, kommentierte:
„Die Viktor-Frankl-Schule wird seit Jahren links liegen gelassen. Nun soll sie ins frühere Postbank-Gebäude in Eckenheim umziehen, doch das ist frühestens Anfang der 2030er Jahre realistisch.“

Die Schüler:innen müssen bis dahin in unzureichenden Räumlichkeiten verbleiben, was die Qualität von Unterricht und Mittagsversorgung beeinträchtigt. Bissinger forderte schnelle Zwischenschritte: mobile Mensaeinrichtungen und temporäre Küchenerweiterungen.

Handlungsempfehlungen für Eltern

Um die Situation zu verbessern, empfiehlt der Stadtelternbeirat:

  1. Mahlzeiten dokumentieren: Fotos machen, sofern die Schule Handys erlaubt.
  2. Rückmeldungen an die Schulleitung senden.
  3. Teilnahme an Elternversammlungen, um Forderungen zu diskutieren.
  4. Direkter Kontakt zu Caterern und Schulträgern.
  5. Nutzung offizieller Informationsplattform: www.frankfurt.de/schulessen.

Rininsland sagte: „Aktive Elternbeteiligung ist der Schlüssel, um kurzfristige Verbesserungen zu erreichen.“

Neue Wahlen im Stadtelternbeirat

Am 25. Januar 2026 wurde der Stadtelternbeirat neu gewählt. Katja Rininsland kündigte an, erneut als Vorsitzende kandidieren zu wollen. Regine Haub bleibt im Vorstand. Drei neue Mitglieder treten dem Gremium bei.

Die konstituierende Sitzung ist für den 9. Februar 2026 angesetzt. Dort werden Vorstand, Zuständigkeiten und konkrete Maßnahmen beschlossen. Rininsland betonte: „Wir wollen sowohl die Essensqualität als auch die Sanierungen aktiv begleiten.“

Vergleich: Szenarien für Mensa und Schulessen

SzenarioBeschreibungVor- und Nachteile
Status quo30% Mensa-Kapazität, gestaffeltes EssenKinder bleiben ungesättigt, Zeitdruck, kurzfristig keine Investitionen nötig
Erweiterung MensaMehr Plätze für 50–70% Schüler:innenBessere Essenszeiten, mehr Sättigung, Investitionskosten hoch
Mobile EssenslösungenTemporäre Küchen/EssbereicheSchnelle Entlastung, flexibel, aber nur Übergangslösung
Catering-Qualität verbessernHöhere Standards, ausgewogene MenüsSättigende Mahlzeiten, langfristige Gesundheit, evtl. höhere Kosten für Stadt

Konsequenzen für Schüler:innen und Eltern

  • Kinder erhalten häufig unzureichende Mahlzeiten, was Konzentration und Gesundheit beeinträchtigen kann.
  • Engpässe bei Mensa und verzögerte Sanierungen verschärfen die Situation.
  • Eltern müssen aktiv dokumentieren und sich beteiligen, um Verbesserungen zu erreichen.

Rininsland fasst zusammen: „Ohne Druck von Eltern und Schulträgern wird sich kurzfristig wenig ändern. Jede Dokumentation, jede Rückmeldung zählt.“

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