Mit wachsendem Unmut reagieren die Bewohner von Stockheim auf eine Umleitung, die infolge von Kabelverlegearbeiten der Ovag durch ein ruhiges Wohngebiet führt. Seit Beginn der Baustelle entlang der Glauberger Straße rollen ununterbrochen Fahrzeuge über enge Nebenstraßen, obwohl die Maßnahme offiziell nur den innerörtlichen Verkehr betreffen sollte. Besonders kritisch könnte die Situation am bevorstehenden Kalten Markt in Ortenberg werden, wenn zusätzlicher Besucherverkehr einsetzt. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf fnp.de.
Schon zur Mittagszeit, normalerweise einer ruhigeren Phase, reißt der Strom von Autos kaum ab. Immer wieder drängen Gruppen von mehreren Fahrzeugen durch die Berliner Straße. Neben Kennzeichen aus Stockheim und Selters tauchen auch Fahrzeuge aus dem Main-Kinzig- und dem Vogelsbergkreis auf – ein Zeichen, dass viele die großräumige offizielle Umleitung umgehen.
Am Mittwochmittag verschafft sich Bürgermeisterin Henrike Strauch (SPD) persönlich ein Bild. Während ihres Gesprächs mit dieser Zeitung versucht ein Autofahrer, die als Einbahnstraße ausgeschilderte Umleitungsstrecke entgegen der Fahrtrichtung zu nutzen – kein Einzelfall, wie sich später zeigt. Dass die Baustelle, bei der Hausanschlüsse und ein 20-Kilovolt-Kabel erneuert werden, notwendig ist, stellt niemand infrage. Doch der Zeitpunkt sorgt für Kritik.
Die Arbeiten, ursprünglich für die Herbstferien geplant, mussten laut Strauch wegen paralleler Bauarbeiten am Kreisverkehr Büches verschoben werden. Deshalb fließt der Verkehr von der B 521 nun über Stockheim – mit spürbaren Folgen. Die Baustelle dauert vom 20. Oktober bis 7. November – genau in die heiße Phase der Veranstaltungsvorbereitungen.
Um den Verkehr zu entlasten, wurde zwar eine großräumige Umleitung eingerichtet. Doch offenbar ignorieren viele die Beschilderung. „Es ist reger Verkehr, trotz Polizeikontrollen“, sagt Strauch. Ihre Beobachtung deckt sich mit den Eindrücken der Bewohner. Svenja Lettkemann aus der Berliner Straße berichtet, dass selbst Lkw die Strecke nutzen: „Die Beschilderung war schlecht organisiert vom Kreis.“ Anfangs galt nur ein einseitiges Halteverbot, erst nach Hinweisen der Bürgermeisterin wurde es auf beide Seiten ausgeweitet.
Besonders problematisch ist die Lage für Schulkinder. Am Ende der Umleitungsstrecke am Lückenberg ist der Gehweg wegen der Bauarbeiten gesperrt. Fußgänger sollen die Seite wechseln – dort existiert jedoch kein Gehweg. Kinder müssen sich also den Straßenraum mit Autos teilen. Lettkemann befürchtet, dass sich die Situation mit dem Kalten Markt weiter zuspitzt: „Dann wird das noch viel schlimmer.“
Bürgermeisterin Strauch fordert nun, dass der Wetteraukreis stärker eingreift: „Wer anordnet, muss auch kontrollieren.“ Die Verkehrsbehörde müsse regelmäßiger prüfen und die Beschilderung verbessern, um den Durchgangsverkehr aus dem Wohngebiet fernzuhalten. Autofahrer aus Heegheim oder Glauberg würden sonst erst in Stockheim von der Sperrung überrascht – und blieben mangels Alternativen mitten im Wohngebiet stecken.
Viele Anwohner können nicht nachvollziehen, warum die Bauarbeiten nicht erst nach dem Kalten Markt starten. „Man hat es schon um eine Woche verschoben – warum nicht gleich zwei?“, fragt Lettkemann. Die Ovag, die für die Baustelle verantwortlich ist, konnte diese Frage bislang nicht beantworten. Der Unmut in Stockheim wächst – und mit ihm die Sorge, dass das kleine Wohngebiet bald zum Verkehrsknotenpunkt wider Willen wird.
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Foto von Oliver Potengowski

