Wiesbaden erlebt derzeit einen bemerkenswerten Aufschwung im Tourismussektor. Laut einer aktuellen Studie, die im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Wiesbaden (IHK) und weiteren Partnern durchgeführt wurde, hat die Stadt im Jahr 2024 einen Rekord bei den Übernachtungen verzeichnet, der die Werte von 2019 übertrifft. Dieser Anstieg ist ein klares Indiz dafür, dass Wiesbaden die schwierigen Jahre der Corona-Pandemie hinter sich gelassen hat und wieder zu einem beliebten Reiseziel wird. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf fr.de.

Doch dieser positive Trend hat auch seine Schattenseiten. Insbesondere der Tagestourismus, also Reisen ohne Übernachtung, zeigt einen bedenklichen Rückgang. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Tagesreisen von 12,2 Millionen im Jahr 2019 auf nur noch 10,2 Millionen im Jahr 2024 gefallen. Dies entspricht einem Rückgang von rund 17%. Während die Stadt in Bezug auf Übernachtungen und die damit verbundenen Umsätze Erfolge feiert, sorgt der Rückgang im Tagestourismus für Besorgnis unter den Fachleuten.

Der Tourismus hat für Wiesbaden und die umliegende Region eine enorme Bedeutung. In einer Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) wurde der Beitrag des Tourismussektors zur regionalen Wirtschaft detailliert untersucht. Allein im Jahr 2024 erzielten Tagesreisen und Übernachtungen im Bezirk der IHK Wiesbaden einen Bruttoumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Besonders vom Tourismussektor profitierten das Gastgewerbe, der Einzelhandel sowie die Dienstleistungsbranche. Der Einzelhandel konnte 309 Millionen Euro und die Dienstleistungsbranche 233 Millionen Euro verbuchen. Dies unterstreicht die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Sektors.

Die Übernachtungszahlen in Wiesbaden selbst stiegen von 2019 bis 2024 um 7,2 Prozent und erreichten mit mehr als 1,4 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekord. Dies war der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der Übernachtungen bei Familien und Freunden deutlich anstieg, um 24,3 Prozent. Dieser Anstieg zeigt, dass Wiesbaden als Ziel für längere Aufenthalte zunehmend an Beliebtheit gewinnt. Die Bruttoumsätze aus dem Tourismus stiegen im gleichen Zeitraum leicht von 685 auf 700,5 Millionen Euro, was den Erfolg des Tourismus in der Stadt weiter unterstreicht.

Dennoch zeigen sich deutliche Herausforderungen, besonders im Bereich des Tagestourismus. „Der Anstieg der Lebenshaltungskosten, die Inflation und geopolitische Unsicherheiten haben direkte Auswirkungen auf den kurzfristigen Besucherverkehr“, erklärt Bürgermeisterin Christiane Hinninger. Die Besucher tätigen weniger Einkäufe, besuchten seltener Restaurants oder schauten sich weniger kulturelle Veranstaltungen an. Dieser Rückgang im Tagestourismus folgt dem deutschlandweiten Trend, dass weniger Menschen zu spontanen Ausflügen neigen.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, setzt Wiesbaden auf verschiedene Initiativen, die den Tagestourismus ankurbeln sollen. Die Stadt verfolgt das Ziel, die Innenstadt lebendig zu halten und mehr Besucher zu gewinnen. Geschäftsreisende und Kulturinteressierte werden durch eine Vielzahl an Angeboten, wie etwa die Rheingauer Weinwoche oder familienfreundliche Veranstaltungen, angesprochen. Zudem gibt es kostenlose Bustickets und spezielle Angebote, die insbesondere für unterschiedliche Zielgruppen von Interesse sind.

Wiesbaden ist sich der Herausforderung bewusst und setzt auf eine breite Unterstützung von Veranstaltungen, die den Tagestourismus stärken sollen. Die Stadt bleibt optimistisch, dass durch diese Maßnahmen der Trend umgekehrt werden kann und die Stadt auch weiterhin als attraktives Ziel für Tagesausflügler dienen kann.

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Foto von Michael Schick

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