Die Ukraine hat mit der Vorstellung der Marschflugkörper-Rakete „Flamingo“ einen weiteren Schritt beim Ausbau ihrer Verteidigungsindustrie vollzogen. Das System verfügt über eine Reichweite von mehr als 3000 Kilometern und wird nach Angaben des Fotojournalisten Efrem Lukatsky bereits in Serie gefertigt. Er veröffentlichte am 17. August 2025 erste Aufnahmen auf Facebook, die in einer Produktionshalle des Unternehmens Fire Point entstanden sein sollen. Fire Point zählt zu den führenden Akteuren der ukrainischen Rüstungsindustrie und hat sich in den vergangenen Jahren durch die Entwicklung von Drohnen- und Präzisionswaffen einen Namen gemacht. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf Renewz.de.
Die Rakete „Flamingo“ ist Teil des Resilienzplans, den Präsident Wolodymyr Selenskyj im Herbst 2024 ankündigte. Vorgesehen ist, bis Ende 2025 insgesamt 3000 Marschflugkörper zu produzieren. Damit verbindet die Ukraine sicherheitspolitische Ziele mit industriepolitischen Ambitionen: Die Verteidigungsfähigkeit soll ausgebaut und zugleich eine eigenständige industrielle Basis geschaffen werden. Beobachter sehen darin einen wichtigen Schritt, um die Abhängigkeit von westlichen Waffenlieferungen zu verringern.
Technische Merkmale
Die bislang bekannten Spezifikationen der „Flamingo“ umfassen:
- Reichweite: bis zu 3000 km
- Geschwindigkeit: bis zu 950 km/h
- Flughöhe: bis zu 5 km
- Sprengkopf: bis zu 1000 kg
- Flugzeit: bis zu 4 Stunden
- Startgewicht: ca. 6000 kg
- Spannweite: etwa 6 Meter
- Navigationssystem: kombiniert inertial und satellitengestützt (GPS/GNSS) mit erhöhter Resistenz gegen elektronische Störungen
- Startoptionen: boden- oder luftgestützt
Das Erscheinungsbild der Rakete mit X-förmigem Leitwerk und zentral angebrachten Tragflächen erinnert an internationale Marschflugkörpermodelle, auch wenn offizielle Vergleiche bislang nicht bestätigt wurden.
Strategische Dimension
Die „Flamingo“ erweitert den operativen Handlungsspielraum der ukrainischen Streitkräfte erheblich. Ihre Reichweite erlaubt es, militärische und industrielle Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen – bis hin zu Regionen in Westsibirien. In Verbindung mit der bereits eingesetzten Rakete „Neptun“, die 2022 den russischen Kreuzer „Moskwa“ versenkte, erhält die Ukraine damit ein Instrument, das sowohl militärische Abschreckung als auch politische Signalwirkung entfaltet.
Vergleich mit der Türkei
Interessant ist der Vergleich mit der Türkei, die zeitgleich die Hyperschallrakete „Tayfun Block-4“ vorgestellt hat. Auch dieses System weist eine Reichweite von rund 3000 Kilometern auf, erreicht jedoch Geschwindigkeiten von mehr als 6000 km/h. Während die Ukraine mit der „Flamingo“ auf industrielle Skalierbarkeit und Präzision setzt, unterstreicht Ankara mit der „Tayfun“ seine technologischen Ambitionen im Bereich Hyperschall. Beide Projekte zeigen, dass regionale Akteure zunehmend in der Lage sind, eigenständige Hochtechnologie zu entwickeln – die Ukraine mit dem Ziel, ihre Resilienz zu stärken, die Türkei mit dem Anspruch, neue Maßstäbe bei Geschwindigkeit und Durchdringungsfähigkeit zu setzen.
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