Die Verlängerung der Frankfurter U-Bahn-Linie U5 ins Europaviertel wird sich deutlich verzögern. Anstatt wie ursprünglich geplant Ende 2027 in Betrieb zu gehen, soll die Strecke nun frühestens Ende 2029 fertiggestellt sein. Grund für die erneute Verschiebung sind gravierende Probleme bei den Vergabeverfahren und massiv gestiegene Baukosten. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf fr.de.
Bereits vor zwei Jahren hatte die Projektgesellschaft „Stadtbahn Entwicklung und Verkehrsinfrastrukturprojekte Frankfurt“ (SBEV) eine Kostensteigerung von 373 auf 515 Millionen Euro sowie eine zweijährige Verzögerung eingeräumt. Seither liegt keine aktualisierte Prognose vor, doch Beobachter gehen von weiteren erheblichen Mehrkosten aus. Besonders die Ausschreibungen bremsen den Baufortschritt: Bei mehreren Verfahren forderten Baufirmen das Doppelte bis Zweieinhalbfache der veranschlagten Preise. „Wenn eindeutig überhöhte Preise verlangt werden, dürfen wir aus rechtlichen Gründen keinen Auftrag vergeben“, erklärte SBEV-Geschäftsführer Florian Habersack.
Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne) bedauerte die Entwicklung: „Das ist ernüchternd für uns und die Frankfurterinnen und Frankfurter. Es geht schließlich um Steuergelder.“ Schon 2023 waren vier Ausschreibungen gescheitert, jede Neuauflage verzögert das Projekt um Monate. Denn komplexe Aufträge umfassen bis zu 2000 Seiten mit technischen und kaufmännischen Unterlagen, deren Bearbeitung sechs bis zwölf Monate beanspruchen kann. Insgesamt sind 30 Vergaben vorgesehen, von denen bislang erst zehn abgeschlossen wurden. 20 weitere sollen bis Ende 2026 folgen – doch auch hier bleibt Unsicherheit, ob die Zeitpläne einzuhalten sind.
Die Ursachen der Probleme sind vielfältig. Laut Habersack und Siefert fehlen den Baufirmen offenbar Kapazitäten, um die Ausschreibungen zu bedienen. Hinzu kommt der Fachkräftemangel sowie die angespannte Situation auf dem bundesweiten Infrastruktursektor. Die groß angelegte Sanierungswelle bei der Deutschen Bahn gilt als einer der Haupttreiber für die steigenden Preise. „Die Signale aus Berlin sind widersprüchlich, und das wirkt sich direkt auf den Markt aus“, sagte Siefert.
Trotz der Rückschläge will die Stadt weitere Infrastrukturprojekte nicht auf Eis legen. Dazu zählen die Verlängerung der U4 zwischen Bockenheim und Ginnheim, die Ausweitung der U5 bis zum Frankfurter Berg und eine geplante Straßenbahnlinie ins Gutleutviertel. Ein einfaches „Mehr Geld ins System pumpen“ sei jedoch keine Option, da die Vergaberichtlinien eine Zahlung überhöhter Preise verbieten. SBEV-Chef Habersack brachte zudem die Möglichkeit eines „Insourcings“ ins Spiel, indem Aufgaben direkt an die VGF übertragen würden. Siefert zeigte sich gegenüber diesem Ansatz skeptisch.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben am 20. September beim bundesweiten „Tag der Schiene“ die Möglichkeit, den aktuellen Stand des Projekts in Augenschein zu nehmen. Zwischen 10 und 16 Uhr werden Führungen durch die Tunnelbaustelle am Güterplatz angeboten, wo eine zentrale unterirdische Station entsteht.
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Foto von Rolf Oeser








