Die Stadt Frankfurt zieht nach mehreren schweren und tödlichen Unfällen mit E-Scootern ein Nachtfahrverbot für Leihfahrzeuge in Betracht. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne) erklärte, man prüfe, ob ein solches Verbot helfen könnte, nächtliche Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu reduzieren. Derzeit handele es sich noch um eine Hypothese, die auf Grundlage aktueller Unfallstatistiken überprüft werde. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf fnp.de.

Das mögliche Fahrverbot gilt als Versuch, die wachsenden Risiken durch die Nutzung von E-Scootern einzudämmen. Denn nicht nur Passanten fühlen sich durch rücksichtsloses Verhalten der Fahrer gefährdet – auch die Nutzer selbst sind häufig Opfer schwerer Unfälle. Besonders aufsehenerregend war der Fall von Anfang Juli, als zwei junge Männer aus Hamburg auf der Mainzer Landstraße in Frankfurt ums Leben kamen. Sie waren verbotenerweise zu zweit auf einem E-Scooter unterwegs, als sie von einem Autofahrer erfasst wurden, der zuvor Lachgas konsumiert hatte. Der tragische Vorfall löste bundesweit Entsetzen aus. „Es gibt hier ein gravierendes Problem“, erklärte Siefert. „Doch dem kann seitens des Magistrats nur schwer wirksam begegnet werden.“

An der Unfallstelle entstand eine Gedenkstätte für die Brüder Minh und Quang, die an jenem Abend starben. Trotz der Anteilnahme in der Bevölkerung betont Siefert, dass absolute Sicherheit im Straßenverkehr nicht erreichbar sei. Dennoch seien E-Scooter überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt: Ihr Anteil an den städtischen Unfallzahlen sei deutlich höher als ihr tatsächlicher Nutzungsanteil.

Im Jahr 2024 machten E-Scooter-Fahrer 7,6 Prozent aller Verletzten und 8,9 Prozent aller Schwerverletzten auf Frankfurts Straßen aus – bei nur etwa 30 000 täglichen Fahrten im Vergleich zu rund 500 000 Autofahrten. Laut Siefert stammt der Großteil dieser Fahrten von Leih-Scootern, während private Fahrzeuge nur einen geringen Anteil haben. Die Stadt blieb bislang nicht untätig: Mehr als 150 offizielle Abstellplätze wurden geschaffen, um das Chaos falsch geparkter Roller zu reduzieren. Besonders im Bahnhofsviertel und in der Innenstadt habe man dadurch Fortschritte erzielt. Gefährlich bleibe jedoch das Fahren selbst – bauartbedingt durch kleine Räder, hohen Schwerpunkt und hohe Geschwindigkeit.

Siefert weist zudem auf das Verhalten vieler Nutzerinnen und Nutzer hin: Sie missachteten Verkehrsregeln, seien oft alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss unterwegs. „Die Hauptunfallursache liegt eindeutig in der Verkehrsunfähigkeit vieler Fahrer“, so der Dezernent. Zur Verbesserung der Situation setzt die Stadt auf die Kontrolltätigkeit der Landespolizei – etwa durch gezielte Schwerpunktaktionen. Doch diese finden bislang selten statt. Nach Polizeiangaben wurden 2024 etwa 2900 E-Scooter-Fahrer kontrolliert.

Im Juli führte die Stadt Frankfurt selbst eine Sonderaktion durch: Auf der Zeil wurden innerhalb von vier Stunden 97 Fahrer gestoppt, die unerlaubt in Fußgängerzonen unterwegs waren – Bußgeld jeweils 50 Euro. Um Unfälle unter Drogeneinfluss künftig zu vermeiden, könnte ein Nachtfahrverbot helfen. Oslo dient hierbei als Vorbild: Dort war der E-Scooter-Verleih zwischen 23 und 5 Uhr untersagt. Die Folge war ein deutlicher Rückgang der Verletztenzahlen – von 1878 Fällen im Jahr 2021 auf 556 im Jahr 2023. In Deutschland wäre eine solche Regelung jedoch rechtlich schwierig umzusetzen, räumt Siefert ein. Gespräche mit den Verleihfirmen sollen deshalb klären, ob freiwillige Maßnahmen möglich sind.

Parallel dazu wächst die Zahl der Anbieter auf dem Frankfurter Markt. Neben Bolt, Dott, Lime und Voi sind inzwischen auch RideMovi und Ryde aktiv. Die Gesamtzahl der Leih-E-Scooter bleibt zwar bei rund 12 000, doch müssen die bisherigen Anbieter ihre Flotten anpassen, um Platz für neue Wettbewerber zu schaffen.

Frankfurt steht damit vor einem Balanceakt: zwischen moderner Mobilität und Verkehrssicherheit. Ob das geplante Nachtfahrverbot Realität wird, hängt nun von den Ergebnissen der städtischen Prüfungen und Gespräche mit den Betreibern ab.

Mehr über Frankfurt, seine Familienorte und das Leben im Rhein-Main-Gebiet lesen Sie auf SoFrankfurt – Ihrer Redaktion für die Stadt, die Sie bewegt. Lesen Sie auch: Frankfurt Flughafen: Polizei stoppt Passagier nach Bombenwitz – Türkei-Reise geplatzt

Foto von Rolf Oeser/Rolf Oeser

Teilen Sie dies: