Die Stadt Kassel hat am Montagabend eine weitreichende Entscheidung getroffen: Die bisherige Fläche für kostenpflichtiges Parken soll verdoppelt werden. Damit stehen künftig in zahlreichen zusätzlichen Stadtteilen Parkscheinautomaten, die nicht nur Anwohner, sondern auch Pendler, Besucher, Einkäufer und Patienten betreffen. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf hessenschau.de.

Die neue Regelung wurde im Stadtparlament verabschiedet. Die Regierungskoalition aus CDU, FDP und Grünen stimmte geschlossen für die Ausweitung, während SPD, Linke und AfD dagegen votierten. Inkrafttreten soll das Konzept im Mai 2026. Betroffen sind neben den bisherigen Innenstadtzonen auch die Stadtteile Rothenditmold, Nordstadt, Südstadt und Vorderer Westen. Besonders dort, wo überwiegend Wohngebiete liegen und bislang keine oder nur wenige Automaten aufgestellt waren, sollen bald Tickets gezogen werden.

Nach Darstellung der Stadt geht es darum, den Parkdruck in stark frequentierten Quartieren zu mindern. Verkehrsdezernentin Simone Fedderke (Grüne) erklärte bereits im Mai, Ziel sei es, den Anteil der Fremdparker zu verringern und den Bewohnern durch eine gezieltere Steuerung der Parkflächen die Suche nach freien Stellplätzen zu erleichtern.

Die Kosten für Anwohner steigen allerdings erheblich: Statt bisher höchstens 30 Euro im Jahr werden künftig 110 Euro fällig – mehr als das Dreifache. Damit folgt Kassel dem Beispiel anderer Städte wie Frankfurt und Wiesbaden, wo bereits 120 Euro erhoben werden. Vergünstigungen für Sozialleistungsempfänger sind nach Angaben der Stadt nicht vorgesehen. Begründet wird die Maßnahme mit zahlreichen Bürgerbeschwerden über die bisherige Parksituation und dem Wunsch vieler Quartiere nach einer Ausweitung der Bewohnerparkzonen.

Vor Ort regt sich jedoch Widerstand. Der Ortsbeirat Rothenditmold lehnt die Ausweitung der Parkgebührenzone II nahezu auf den gesamten Stadtteil ab. Auch im Wesertor stoßen die erhöhten Gebühren auf Kritik. Vertreter in Bad Wilhelmshöhe fordern zusätzlich eine Verbesserung der Park+Ride-Möglichkeiten und des ÖPNV-Angebots. Es gibt jedoch auch Ortsbeiräte, die das neue Konzept ohne Einwände akzeptieren.

Deutliche Kritik kommt von der SPD-Fraktion. Deren verkehrspolitischer Sprecher Dieter Seidel bezeichnete die Entscheidung als erhebliche Zusatzbelastung für viele Bürger. Die Festlegung der Gebührenhöhe und der neuen Zonen sei ohne ausreichende Transparenz erfolgt, zahlreiche Betroffene sprächen von „Abzocke“. Zudem fehle ein Gesamtkonzept für die Verkehrswende. „Es geht nicht darum, Autofahrer zu verdrängen, sondern um den Ausbau von ÖPNV und Radverkehr“, betonte Seidel. Als positives Beispiel führte er Frankfurt an, wo 2.000 neue Park+Ride-Plätze geplant seien. Solche ergänzenden Maßnahmen fehlten in Kassel bislang.

Kassel unterscheidet mehrere Parkgebührenzonen. Die nun erweiterte Zone II galt bislang nur für Außenbereiche der Innenstadt. Eine Stunde Parken kostet hier einen Euro, ein Tagesticket sechs Euro. Elektrofahrzeuge mit E-Kennzeichen profitieren von einer Sonderregelung und dürfen bis Ende 2026 in allen Zonen kostenlos parken.

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Foto von Fabian Schmidt, hr

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