Der Sportwagenhersteller Porsche hat die Nachfolge an der Unternehmensspitze geregelt: Ab dem Jahr 2026 wird Michael Leiters, 54, den Vorstandsvorsitz übernehmen und damit Oliver Blume (57) ablösen, der weiterhin den Volkswagen-Konzern leiten wird. Das bestätigte das Unternehmen in einer offiziellen Mitteilung. Der Aufsichtsrat muss der Personalie noch zustimmen. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf bild.de.
Leiters gilt innerhalb der Automobilbranche als hochqualifizierte und erfahrene Führungspersönlichkeit. Bis April war er CEO des britischen Luxus-Sportwagenherstellers McLaren, zuvor acht Jahre lang Technikvorstand bei Ferrari. Noch bedeutender ist jedoch seine frühere Zeit bei Porsche selbst: Zwischen 2000 und 2013 arbeitete Leiters im Konzern, unter anderem als Assistent des damaligen Vorstandschefs Wendelin Wiedeking. Diese langjährige Verbundenheit mit der Marke gilt nun als entscheidender Vorteil bei der Rückkehr nach Zuffenhausen.
Mit dem geplanten Wechsel endet eine jahrelange Diskussion über die Doppelfunktion von Oliver Blume. Seit Oktober 2015 steht der gebürtige Braunschweiger an der Spitze von Porsche, seit September 2022 führt er parallel auch den gesamten Volkswagen-Konzern. Blume verteidigte stets die Doppelrolle: Bei Porsche sei er tief in Technik und operative Abläufe eingebunden, während er im VW-Vorstand strategische Leitentscheidungen treffen könne.
Doch Kritik an der Ämterhäufung kam sowohl von Aktionärsvertretern als auch aus den Reihen der Belegschaft. Daniela Cavallo, Vorsitzende des VW-Betriebsrats, forderte öffentlich eine klare Trennung: „Der Vorstandsvorsitzende kann in Wolfsburg kein Halbtags-Chef sein und die restliche Zeit bei Porsche verbringen. Dieser Zustand muss enden.“
Hinter den Kulissen soll der Machtwechsel auch mit den angespannten Marktbedingungen zusammenhängen. Die beiden börsennotierten Autobauer – Porsche und Volkswagen – stehen unter Druck. Der VW-Konzern plant eine tiefgreifende Umstrukturierung über die reine Elektrifizierung hinaus. Alte Hierarchien und Prozesse müssen aufgebrochen werden, während gleichzeitig strikte Sparmaßnahmen umgesetzt werden.
Auch bei Porsche kühlt die Erfolgswelle ab. Nach Jahren der Rekorde brechen Nachfrage und Absatz in wichtigen Märkten wie China und den USA ein. Fehlende Modellneuheiten verschärfen die Situation zusätzlich. Interne Quellen berichten, dass in Kürze Krisengespräche zwischen Betriebsrat und Management beginnen sollen. Viele Mitarbeiter müssen sich offenbar auf geringere Prämien einstellen.
Laut Unternehmenskreisen will Blume die laufenden Gespräche mit der Arbeitnehmerseite noch abschließen, bevor er sich vollständig auf seine Aufgaben im VW-Konzern konzentriert. Leiters soll frühestens im Januar offiziell übernehmen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Insider berichten, dass die Nachfolgefrage im Aufsichtsrat lange diskutiert wurde. Großaktionär und Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche (82) habe gemeinsam mit einer kleinen Runde potenzielle Kandidaten geprüft. Auf einer internen „Shortlist“ stand neben Leiters auch Porsche-Vize Michael Steiner (61), der aufgrund seines Alters jedoch nur als Übergangslösung galt. Die Eigentümerfamilien entschieden sich schließlich bewusst für Leiters als langfristigen Hoffnungsträger einer neuen Generation.
Die Entscheidung fügt sich in einen breiteren Generationswechsel ein: Mit Finanzchef Lutz Meschke (59), Vertriebschef Detlev von Platen (61), Personalchef Andreas Haffner (59) und Einkaufschefin Barbara Frenkel (62) wurden bereits mehrere Führungsposten neu besetzt. Porsche setzt damit auf frisches Management, um den traditionsreichen Sportwagenhersteller auf die Zukunft vorzubereiten – technologisch, organisatorisch und kulturell.
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Foto von SvenSimon
