Der Ausbau der U5 in Frankfurt schreitet weiter voran, auch wenn die Fertigstellung erst für 2029 vorgesehen ist. Am gestrigen Dienstag, dem 23. September, wurde in einer aufwendig inszenierten Aktion 17 Meter unter dem Europaplatz eine Bestandswand durchbrochen – ein entscheidender Schritt für die Verbindung zwischen dem Europaviertel und dem Hauptbahnhof. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf journal-frankfurt.de.
In den frühen Mittagsstunden begaben sich Journalisten, Vertreter der Stadtbahn Entwicklung und Verkehrsinfrastrukturprojekte GmbH (SBEV) sowie Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne) über ein provisorisches Gerüst hinab in die Tiefen des Güterplatzes. Mit Warnwesten, Helmen und Gummistiefeln ausgerüstet, führte der Weg direkt in die Tunnelröhre, wo die tonnenschwere Betonwand, die bisher die neue Röhre vom Bestandsabschnitt trennte, geöffnet wurde. Obwohl dieser Schritt technisch bedeutsam ist, bleibt der Eröffnungstermin unverändert: Der Betrieb soll weiterhin 2029 starten.
Ein „Meilenstein“ für den öffentlichen Nahverkehr
An der Durchbruchstelle, etwa 300 Meter vor dem Hauptbahnhof, sprach Siefert von einem „Meilenstein“ für den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt: „Der Durchbruch des U-Bahn-Tunnels zum Hauptbahnhof ist auch ein symbolischer Durchbruch für den ÖPNV.“ Er hob hervor, dass dies der erste U-Bahn-Tunnelbau seit den 1990er-Jahren sei, der nun sichtbar voranschreite. Projektleiter Sven Kirchner von der SBEV betonte ebenfalls die technische Dimension des Vorgangs: „Die Verbindung der neuen und alten Tunnelröhren markiert den eigentlichen Abschluss des Tunnelbaus und zeigt, was wir technisch geleistet haben.“
Besondere Herausforderungen ergaben sich aus der Lage am Platz der Republik, einer der verkehrsreichsten Kreuzungen Frankfurts. Eine Zielbaugrube direkt dort anzulegen, war nicht möglich. Stattdessen setzten die Bauarbeiter Druckluftverfahren ein, um die letzten Meter bis zur Bestandswand zu überwinden. Die Wand selbst diente bislang als sogenanntes „Havarieschott“ – eine Sicherheitsbarriere, die im Notfall vor Feuer oder eindringendem Grundwasser schützen sollte.
Fortschritte trotz komplexer Rahmenbedingungen
Nach Angaben der SBEV sei das Risiko von Grundwasserzutritt inzwischen erheblich reduziert, sodass die 40 Zentimeter dicken Stahlbetonwände nicht mehr erforderlich seien. Eine der Wände wurde bereits per Handarbeit mit einer Betonsäge in neun Segmente zerlegt. Diese Teile wurden anschließend mit einer E-Lok zur Gleiswerkstatt der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) in der Hanauer Landstraße transportiert.
Im Rahmen der unterirdischen Begehung griff auch Wolfgang Siefert persönlich zum Druckluftbohrer. Als sich das Gerät im Boden verklemmte, benötigte er Unterstützung, um es wieder zu lösen – eine Szene, die den medienwirksamen Termin kurzzeitig unterbrach.
Parallel zum symbolträchtigen Durchbruch bestehen weiterhin strukturelle Probleme im Projekt. Mehrfach wurde die Inbetriebnahme verschoben, zuletzt auf 2029. Die SBEV verweist auf ihrer Website auf die „angespannte Marktsituation“: Materialengpässe, fehlendes Fachpersonal und ein Mangel an spezialisierten Bauunternehmen im Gleis- und Bahntechnikbereich hätten die Fortschritte gebremst.
Für das erste Quartal 2026 ist nun der Start des Gleisbaus geplant. Bis Ende 2026 soll zudem der Rohbau am Güterplatz abgeschlossen sein. Damit bleibt das Projekt trotz aller Rückschläge eines der zentralen Infrastrukturvorhaben Frankfurts.
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Foto von Durchgebrochene Bestandswand © Bernd Kammerer








