Frankfurt am Main empfängt Besucher mit einem geschäftigen, aber gemächlichen Lebensrhythmus, in dem die modernen Wolkenkratzer des Bankenviertels harmonisch neben mittelalterlichen Kathedralen stehen und eine visuelle Metapher der Zeitalterverbindung schaffen. Die Stadt, deren Geschichte seit dem 9. Jahrhundert mit Handel und Finanzen verbunden ist (hier befindet sich die Europäische Zentralbank), vermittelt den Eindruck, sehr geschäftig und fast touristenfrei zu sein. Ein Schlüsselmerkmal der deutschen Kultur, insbesondere in Frankfurt, ist jedoch die extreme Wertschätzung der Privatsphäre. Deutsche neigen dazu, keine aktiven sozialen Medien zu pflegen, aus Angst vor der Verbreitung ihrer Daten, wobei Instagram eher als Plattform für Immigranten gilt. Dieses Streben nach Privatsphäre zeigt sich sogar im Alltag: In Mehrfamilienhäusern gibt es keine Nachbarschaftschats, und Informationen werden über Papieraushänge in den Treppenhäusern verbreitet. Dabei herrscht in der Stadt untypisches sonniges Dezemberwetter, das die Autorin an die zwei oder drei Sonnentage des Minsker Winters erinnert, berichtet SoFrankfurt.

Das Stadtbild wird von Bürogebäuden rund um die Taunusanlage und Bauwerken wie dem Backstein-Wolkenkratzer DZ Bank Tower von Frank Gehry geprägt, die im Kontrast zu historischen Bauten stehen, darunter dem Frankfurter Dom und der Alte Nikolaikirche. Diese Betonung der Privatsphäre wirkt sich auch auf den Dienstleistungssektor aus. Lokale Unternehmen, einschließlich Restaurants und Cafés, betrachten soziale Netzwerke nicht als primäres Werbe- und Promotioninstrument. Eines dieser Lokale in Frankfurt kann nur durch "Mundpropaganda" gefunden werden – ein kleines Restaurant, das drei Miteigentümern gehört, die selbst alle Positionen besetzen (Kochen, Servieren, Empfangen). Das Restaurant bietet ein Festpreis-Menü für 79-89 Euro und verfügt über eine einzigartige Weinkarte, die durch direkte Treffen mit Winzern entsteht. Unter den Weinen lassen sich echte Sammlerstücke finden, wie ein Philippi Spätburgunder von 2003, der deutlich günstiger verkauft wird als sein sekundärer Marktwert.

Vor dem Hintergrund dieser strikten Privatsphäre erscheint die deutsche Tradition der gemeinsamen Saunen ohne Kleidung besonders paradox. Dieses Phänomen ist Teil der soziokulturellen Bewegung FKK (Freikörperkultur), die eine natürliche Lebensweise ohne Kleidung an speziell ausgewiesenen Orten wie Saunen, Stränden oder Spa-Komplexen propagiert, wobei jeglicher sexuelle Unterton vollständig ausgeschlossen wird. Die Verhaltensregeln in der Sauna sind streng: Während man sich zwischen den Saunen in ein Handtuch hüllt, ist es in den Saunen und Whirlpools üblich, vollständig nackt zu sein, da synthetische Badebekleidung als nicht ökologisch gilt. Die Teilnehmer halten sich an die ungeschriebene Regel, nicht starr hinzusehen, was eine schnelle Anpassung an diese kulturelle Besonderheit ermöglicht. Selbst bei äußerlicher Ähnlichkeit europäischer Städte sind es gerade diese kulturellen Gewohnheiten – die Einstellung zur Privatsphäre, zum Körper, zur Stille, zur Öffentlichkeit und zum Geld –, die den interessantesten Unterschied der deutschen Gesellschaft ausmachen.

Mehr über Frankfurt, seine Familienorte und das Leben im Rhein-Main-Gebiet lesen Sie auf SoFrankfurt – Ihrer Redaktion für die Stadt, die Sie bewegt. Lesen Sie auch: Allessa GmbH produziert heute Ikonenfarben für Ferrari und Milka

Teilen Sie dies: