Zum Beginn des Wintersemesters 2025/26 stehen viele Studierende in Hessen vor einem altbekannten Problem: Die Wohnheime der Studierendenwerke sind nahezu vollständig belegt. Besonders in den Hochschulstädten Darmstadt, Marburg, Gießen, Kassel und Frankfurt ist die Nachfrage nach erschwinglichem Wohnraum so hoch wie nie. Die Wartelisten wachsen weiter, und neue Studierende haben kaum Chancen, kurzfristig ein Zimmer zu finden. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf tagesschau.de.

Nach Angaben des Studierendenwerks Marburg ist die Vollbelegung der Wohnheime zu Semesterbeginn oder sogar das ganze Jahr über keine Ausnahme, sondern der Normalzustand. Wer besondere Wünsche an Lage oder Ausstattung hat, müsse mit noch längeren Wartezeiten rechnen. Die Vergabe der Plätze erfolgt chronologisch, wobei Einzelappartements am gefragtesten sind. In Marburg beträgt die Wartezeit für ein solches Appartement rund ein Jahr – das Studierendenwerk empfiehlt daher, sich bereits während der Abiturphase zu bewerben. Dort stehen rund 2.100 Wohnheimplätze zur Verfügung.

In Darmstadt ist die Situation noch angespannter. Anfang Oktober lagen dem Studierendenwerk über 3.500 Bewerbungen für knapp 2.700 Plätze vor. Teilweise warten Bewerberinnen und Bewerber über zwei Jahre auf ein Zimmer. Zum Semesterstart konnten etwa 560 Studierende einziehen – doch der Bedarf bleibt weit größer als das Angebot.

Auch in Frankfurt zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Studierendenwerk Frankfurt betreibt 33 Wohnheime in vier Städten und ist damit das größte seiner Art in Hessen. Für die insgesamt 3.465 Wohnheimplätze lagen Anfang Oktober noch rund 2.700 offene Bewerbungen vor. Die Wartelisten sind lang, insbesondere für kleine, günstige Einzelzimmer, die bei Studierenden besonders beliebt sind.

In Kassel ist die Nachfrage ebenfalls dramatisch: Rund 500 Studierende bewerben sich dort auf einen einzigen freien Platz. Das Studierendenwerk Kassel verfügt über fast 1.000 Wohnheimplätze in der Stadt selbst und etwas mehr als 100 in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis). Auch hier ist das Angebot bei weitem nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken.

Das Studierendenwerk Gießen, das 19 Wohnheime in Gießen, Friedberg und Fulda betreibt, zählt zu den größten Anbietern studentischen Wohnraums in Mittelhessen. Auf die knapp 3.470 verfügbaren Plätze kommen derzeit etwa 1.900 Bewerbungen – auch hier zeichnet sich ein klares Bild: Der Druck auf den Wohnungsmarkt wächst stetig.

Insgesamt stehen den Studierenden in Hessen rund 12.900 Plätze in den Wohnheimen der Studierendenwerke zur Verfügung. Laut aktuellen Angaben gibt es jedoch mehr als 8.500 laufende Bewerbungen. Dabei ist die Zahl aus Marburg noch nicht berücksichtigt. Hessenweit sind über 240.000 Studierende eingeschrieben – das Missverhältnis zwischen Bedarf und Angebot ist also eklatant.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Mietpreise. Während ein Zimmer in einem Studierendenwohnheim durchschnittlich etwas mehr als 300 Euro kostet, liegen die Preise auf dem privaten Markt deutlich höher. In Frankfurt – der teuersten Stadt Hessens – müssen Studierende aktuell rund 675 Euro für ein WG-Zimmer zahlen. Damit ist das Wohnen in studentischen Einrichtungen zwar deutlich günstiger, doch der Mangel an verfügbaren Plätzen zwingt viele junge Menschen, auf teurere Alternativen auszuweichen.

Um die Wohnungsnot etwas zu lindern, bieten die Studierendenwerke Unterstützung bei der privaten Wohnungssuche an. Auf ihren Webseiten finden sich sogenannte Privatzimmerlisten – eine Art Wohnbörse, die Zimmerangebote von Privatpersonen bündelt. Auch Jugendherbergen öffnen ihre Türen für Studierende und Auszubildende, die kurzfristig eine Unterkunft benötigen. Die möblierten Zimmer können für Wochen oder Monate gemietet werden. In Hessen beteiligen sich derzeit vor allem die Städte Kassel und Darmstadt an diesem Programm, während Frankfurt, Marburg und Gießen bislang fehlen.

Der Wohnungsmangel für Studierende bleibt damit ein strukturelles Problem, das sich nicht auf einzelne Städte beschränkt. Trotz der Bemühungen der Studierendenwerke, den Druck auf dem Wohnungsmarkt zu mildern, sind die Kapazitäten längst erschöpft – ein Umstand, der den Studienstart für viele Erstsemester zu einer großen Herausforderung macht.

Mehr über Frankfurt, seine Familienorte und das Leben im Rhein-Main-Gebiet lesen Sie auf SoFrankfurt – Ihrer Redaktion für die Stadt, die Sie bewegt. Lesen Sie auch: Stationsloses Carsharing in Frankfurt: Stadt schafft Anreize für Flächenausbau durch neue Parkraumpauschale

Foto von tagesschau

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