Ab 2026 sollen Carsharing-Anbieter in Frankfurt am Main von einer neuen Parkraumpauschale profitieren, wenn sie ihr Geschäftsgebiet über die bisherigen Kernquartiere hinaus erweitern. Damit will die Stadt das stationslose Carsharing im gesamten Stadtgebiet attraktiver machen und langfristig mehr Menschen dazu bewegen, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf fnp.de.
Nach den Plänen des Mobilitätsdezernenten Wolfgang Siefert (Grüne) soll zu Beginn des Jahres 2026 ein vereinfachtes Abrechnungsmodell eingeführt werden. Anbieter von Free-Floating-Carsharing-Fahrzeugen, also jenen, die ohne feste Station funktionieren, sollen künftig eine jährliche Parkgebühr pro Auto zahlen können, die für alle städtischen Parkplätze gilt. Bisher mussten sie jeden einzelnen Parkvorgang abrechnen, was zeitaufwendig und teuer war. Mit der neuen Regelung will Frankfurt nicht nur die Verwaltung vereinfachen, sondern vor allem die Ausweitung der Geschäftsgebiete fördern. Anbieter, die größere Teile des Stadtgebiets abdecken, sollen geringere Parkgebühren pro Fahrzeug zahlen – ein direkter Anreiz, auch Randbezirke stärker einzubeziehen.
Ein entsprechender Vertragsentwurf wurde bereits mit interessierten Unternehmen besprochen, wobei derzeit noch technische Details abgestimmt werden. Die Stadt legt besonderes Augenmerk auf eine wirksame Parkraumüberwachung, um Fehlverhalten und unkontrolliertes Abstellen von Fahrzeugen zu verhindern. In anderen Städten hatte es bei vergleichbaren Free-Floating-Systemen bereits Unregelmäßigkeiten gegeben, weshalb Frankfurt auf klare und praktikable Kontrollen setzt.
Das stationslose Carsharing ermöglicht es Kundinnen und Kunden, ein Fahrzeug an einem beliebigen Ort im Geschäftsgebiet anzumieten und an einem anderen Ort wieder abzustellen. In Frankfurt bieten derzeit die Unternehmen Free2move, Miles und Book-n-drive solche Modelle an. Während Free2move und Miles das klassische Free-Floating-Konzept verfolgen und das Parken auf Parkscheinflächen kostenlos erlauben, ist Book-n-drive ein Sonderfall: Dort ist die Stadt zu zwei Dritteln indirekt beteiligt, und die Flotte umfasst neben Free-Floating-Fahrzeugen auch stationsbasierte Autos, die an festen Standorten zurückgegeben werden müssen.
Laut Magistrat verfolgt die neue Parkraumpauschale ein klares Ziel: Sie soll Anbieter dazu bewegen, das Carsharing-Angebot auf möglichst große Teile Frankfurts auszudehnen. Je größer das abgedeckte Gebiet, desto geringer die Pauschale pro Fahrzeug – so die Idee. Damit könnte das Carsharing-Angebot in Zukunft auch in Vierteln verfügbar werden, die bisher kaum abgedeckt waren.
Ein zentrales Thema bleibt jedoch die Überwachung und Regelung des Parkens. Die Stadt plant, die Einhaltung der Vorschriften streng zu kontrollieren, um Konflikte mit Anwohnern und die Überlastung von Parkflächen zu vermeiden. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass Free-Floating-Systeme nur dann gut funktionieren, wenn sie mit klaren Regeln und einem funktionierenden Monitoring kombiniert werden.
Studien belegen, dass ein einzelnes stationsloses Carsharing-Fahrzeug bis zu 23 private Autos ersetzen kann. In Großstädten wie Hamburg, Köln und München konnten die rund 6.350 Fahrzeuge eines großen Anbieters zusammen über 120.000 Privatwagen ersetzen. Auch Frankfurt erhofft sich ähnliche Effekte – weniger Verkehr, weniger Abgase, mehr freie Flächen. Die Parkraumpauschale könnte dabei ein wichtiger Hebel sein, um den Umstieg auf flexible, geteilte Mobilität zu beschleunigen.
Gleichzeitig gibt es auch Kritik und offene Fragen. Einige Fachleute warnen vor einer möglichen Überlastung sensibler Wohnquartiere, wenn dort zu viele Fahrzeuge abgestellt werden. Auch das Risiko, dass Anbieter trotz Anreizen vor allem die lukrativen Innenstadtbereiche bedienen, bleibt bestehen. Zudem erfordert das Monitoring der Fahrzeuge umfassende technische Lösungen, die Datenschutz und Effektivität miteinander vereinbaren müssen.
Frankfurt steht damit vor einem Balanceakt: Die Stadt will den Ausbau des Carsharings fördern, ohne den öffentlichen Raum zu überfordern. Wenn es gelingt, die Anbieter zu motivieren und klare Kontrollmechanismen zu etablieren, könnte die neue Parkraumpauschale ein Meilenstein für die urbane Mobilität werden. Ziel ist eine Stadt, in der weniger Autos Platz beanspruchen, mehr Menschen flexibel unterwegs sind und nachhaltige Mobilität selbstverständlich wird.
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Foto von Dennis Pfeiffer-Goldmann








