Frankfurt steht im November 2025 vor einem entscheidenden Schritt in der kommunalen Demokratie. Darüber berichtet die Redaktion SoFrankfurt unter Berufung auf offizielle Unterlagen der Stadt, denn die Minderheitsregierung aus SPD, Grünen und Volt hat im Römer einen vollständig ausgearbeiteten Antrag zur Einführung eines Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) eingebracht – eines Jugendparlaments, das junge Stimmen dauerhaft in die Stadtpolitik einbindet.
Erstmals liegt damit ein rechtlich abgestütztes Modell zur strukturellen Jugendbeteiligung vor. Grundlage ist der Bericht des Magistrats vom 18. August 2025, veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 36 der Stadt Frankfurt, in dem die Einführung eines Kinder- und Jugendparlaments nach § 71 SGB VIII ausdrücklich empfohlen wird.
Ein Gremium mit echter Wirkung – nicht nur Symbolik
Das geplante KiJuPa soll 80 gewählte Mitglieder aus allen 15 Ortsbezirken umfassen. Wahlberechtigt wären Jugendliche von 10 bis 17 Jahren, eine Kandidatur wäre ab 12 Jahren möglich. Alle zwei Jahre soll neu gewählt werden. Anders als in vielen anderen deutschen Städten hätte das Frankfurter Gremium echte Beteiligungsrechte:
- Antragsrecht gegenüber der Stadtverordnetenversammlung
- Rederecht im Plenum bei jugendrelevanten Themen
- Teilnahme in Fachausschüssen
- eigenes Budget für Projekte
- Materialien in leichter und mehrsprachiger Sprache
Damit würde Frankfurt eines der stärksten Jugendparlamente Deutschlands etablieren – mit klar definierten Befugnissen, die über reine Beratung hinausgehen.
Politischer Wendepunkt nach langem Stillstand
Die Idee eines KiJuPa existiert seit Jahren. Der Frankfurter Jugendring hatte bereits 2023 ein detailliertes Partizipationskonzept vorgelegt. Doch die Verhandlungen stockten wiederholt. Zur Frankfurter Rundschau sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Dimitrios Bakakis im Oktober 2024:
„Es gibt noch Punkte, bei denen wir uns nicht einig sind.“
Im Herbst 2025 kam Bewegung in das Vorhaben. Der Austritt der FDP aus der Römerkoalition löste eine politische Blockade. SPD-Stadtverordnete Viktorija Krzelj formulierte es so:
„Durch das Ausscheiden der FDP hat sich ein Bremsklotz gelöst.“
Mit dem jetzt im November eingereichten Antrag ist die Vorlage erstmals abstimmungsreif. Eine Entscheidung wird im Dezember 2025 oder spätestens Januar 2026 erwartet.
Warum Frankfurt diesen Schritt jetzt wagt
Die Initiatoren verweisen auf wachsende Politikdistanz unter jungen Menschen und auf die Verpflichtungen der Jugendhilfe nach § 71 SGB VIII. Ziel sei es, Beteiligung so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten.
Grünen-Politiker Emre Telyakar betont:
„Demokratie ist stark, wenn alle mitmachen. Wir wollen, dass junge Menschen nicht später, sondern jetzt mitentscheiden.“
Volt-Sprecherin Elisa Grote sieht darin ein Signal gegen Politikverdrossenheit:
„Frankfurt muss eine Stadt sein, in der junge Stimmen wirklich zählen.“
Was die Einführung für die Stadt bedeuten würde
Ein beschlussfähiges KiJuPa würde:
- Jugendlichen einen formellen Zugang zu kommunaler Politik eröffnen
- die Stadtverordnetenversammlung verpflichten, jugendrelevante Anliegen frühzeitig einzubeziehen
- Partizipation in Schulen, Jugendhäusern und Stadtteilen strukturell verankern
- Frankfurt im bundesweiten Vergleich an die Spitze moderner Jugendbeteiligung setzen
Die Kommune wäre eines der wenigen Großstadtbeispiele, in denen junge Menschen institutionell, sichtbar und durchsetzungsstark in Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Der eingereichte Antrag markiert den entscheidenden Schritt zur Umsetzung. Nun hängt alles von der Mehrheitsfindung im Römer ab. Gelingt die Zustimmung, könnte das Kinder- und Jugendparlament bereits 2026 seine erste Wahl durchführen.
Frankfurt würde damit ein Modell schaffen, das weit über die Stadt hinausstrahlt – und zeigen, wie demokratische Teilhabe für die nächste Generation konkret aussehen kann.
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