Die wirtschaftliche Krise beim nordhessischen Solartechnik-Hersteller SMA Solar spitzt sich weiter zu. Das Unternehmen hat am Donnerstag angekündigt, insgesamt 350 weitere Arbeitsplätze abzubauen, davon 300 direkt am Stammsitz in Niestetal bei Kassel. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf hessenschau.de.

Nach Angaben von Vorstandschef Jürgen Reinert sei der Markt für Photovoltaiklösungen im Heim- und Gewerbekundenbereich in den USA und Europa vollständig eingebrochen. Bereits 2023 sei die Nachfrage stark zurückgegangen, und in Deutschland habe es in diesem Jahr ein Minus von 40 Prozent gegeben. „Wir halten unsere Marktanteile, aber der Markt schrumpft. Deshalb müssen wir erneut sparen“, so Reinert.

Während die Nachfrage nach Lösungen für private und gewerbliche Kunden rapide sinkt, entwickelt sich nur das Segment der Großkraftwerke stabil. Rund 80 Prozent des Umsatzes erzielt SMA mittlerweile mit Freiflächenanlagen. Dieses Geschäft stützt die schwächelnden Sparten, ein Zustand, der laut Reinert langfristig nicht tragbar sei.

Das Unternehmen fährt bereits seit einem Jahr einen strikten Sparkurs. Im November 2024 hatte die Konzernleitung angekündigt, bis Ende dieses Jahres weltweit 1.100 Vollzeitstellen abzubauen, davon allein 700 in Niestetal. Ziel war es, bis zu 200 Millionen Euro einzusparen. Mit dem neuen Abbau sinkt die Gesamtzahl der Beschäftigten von aktuell 3.800 (davon 2.800 in Niestetal) erneut deutlich.

Erst vor wenigen Wochen hatte SMA weitere Einsparungen von jährlich 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Damals war noch offen, wie viele Mitarbeiter konkret betroffen sein würden. Nun ist klar: 300 Stellen in Nordhessen und weitere 50 international sollen entfallen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat beginnen in der kommenden Woche, ein Abschluss ist für November geplant. Bereits ab Januar 2026 soll der Stellenabbau umgesetzt werden.

Die Unternehmensleitung sieht die Gründe vor allem im massiven Preisdruck und ungünstigen politischen Rahmenbedingungen. Laut Finanzvorstand Kaveh Rouhi erlebe man eine „stark rückläufige Zubaurate im Heimbereich, insbesondere in Deutschland“. Vorstandschef Reinert kritisierte zudem, dass die deutsche und die US-Politik den Fokus derzeit zu stark auf fossile und nukleare Energien sowie Gasspeicher legen, anstatt die erneuerbaren Energien und Speichersysteme zu fördern.

Hinzu komme die Konkurrenz aus China, die durch den Handelskonflikt mit den USA zunehmend auf den europäischen Markt dränge und dort den Preiskampf verschärfe.

Die neue Konzernstrategie sieht vor, sich stärker auf Softwareentwicklung und technologische Kernkompetenzen wie Cybersicherheit zu konzentrieren. Auch die internationale Ausrichtung soll ausgebaut werden: Forschung und Entwicklung in Indien sowie Produktionskapazitäten in Polen sollen gestärkt werden, während der Standort Niestetal deutlich verkleinert wird. „Hier werden wir künftig weniger machen“, erklärte Reinert.

Betriebsratschef Martin Breul äußerte sich kritisch zu den Plänen. Die Zahl von 300 Stellenstreichungen halte er für überzogen. Man werde alles daran setzen, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, wie schon in früheren Sparrunden. Dennoch erkenne er an, dass SMA neue Wege gehen müsse: „Wir müssen mehr anbieten als Wechselrichter. Dafür braucht es allerdings auch das entsprechende Personal.“

Noch vor zwei Jahren hatte die Zukunft des Unternehmens ganz anders ausgesehen: Mit dem Spatenstich für eine „Gigawatt-Factory“ in Niestetal sollten 200 neue Arbeitsplätze entstehen und die Produktionskapazitäten verdoppelt werden. Reinert sprach damals von einer „sehr rosigen Zukunft der Photovoltaik“. Im Juni 2023 erreichte die SMA-Aktie noch einen Kurs von über 110 Euro – aktuell liegt sie bei rund 20 Euro.

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Foto von picture-alliance/dpa

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