Hausen ist ein Stadtteil im Nordwesten von Frankfurt am Main, der sich durch eine lange historische Entwicklung und eine bemerkenswerte Transformation auszeichnet. Ursprünglich ein kleines Bauerndorf, das erstmals im Mittelalter erwähnt wurde, ist Hausen heute ein moderner, gut vernetzter Stadtteil mit rund 7.000 Einwohnern (Stand 2025). Seine Geschichte ist eng mit der Entwicklung Frankfurts verbunden, da Hausen über Jahrhunderte ein wichtiger Zulieferer für die Stadt war und schließlich im Zuge der Eingemeindungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Teil Frankfurts wurde. Heute bietet der Stadtteil eine Mischung aus Naherholung, moderner Infrastruktur und einem vielseitigen Stadtleben. Darüber berichtet SoFrankfurt.

Erste Erwähnungen von Hausen im Mittelalter

Hausen wurde bereits im 8. Jahrhundert in einer Urkunde des Klosters Lorsch erwähnt. Damit gehört es zu den ältesten Siedlungen im Frankfurter Raum. Der Name „Hausen“ leitet sich vom althochdeutschen „Husen“ ab, was „Ansammlung von Häusern“ bedeutet. Die Siedlung entstand in unmittelbarer Nähe der Nidda, deren Flusslandschaft fruchtbare Böden für Landwirtschaft bot.

Das Leben im mittelalterlichen Hausen war geprägt von Subsistenzwirtschaft, kollektiver Feldarbeit und enger sozialer Bindung. Bauern bestellten gemeinsam die Felder, hielten Vieh und waren zugleich an die Abgabenpflicht gegenüber Grundherren gebunden. Kirchliche Strukturen gaben der Dorfgemeinschaft eine religiöse und organisatorische Grundlage.

Gesellschaftliche Strukturen im Dorf

  • Hausen bestand aus wenigen Bauernhöfen mit Fachwerkhäusern.
  • Eine Dorfkirche diente als geistiges und soziales Zentrum.
  • Politische Kontrolle übten lokale Grundherren oder Klöster aus.
  • Abgaben und Zehntzahlungen verbanden Hausen mit Frankfurt.
  • Märkte in Frankfurt waren die wichtigste Absatzmöglichkeit.

Hausen als Dorf vor den Toren Frankfurts

Bis ins 19. Jahrhundert blieb Hausen ein eigenständiges Dorf mit landwirtschaftlicher Ausrichtung. Während Frankfurt zur Handels- und Messestadt wuchs, versorgte Hausen die Bürger mit Getreide, Milchprodukten und Fleisch. Die Zahl der Einwohner blieb lange stabil: Um 1800 lebten hier weniger als 500 Menschen.

Die geografische Nähe zur Stadt machte Hausen zu einem Bindeglied zwischen dem urbanen Zentrum und dem ländlichen Umland. Neben Ackerbau wurde Weinbau betrieben, da die Hänge entlang der Nidda günstige klimatische Bedingungen boten. So verband das Dorf bäuerliche Tradition mit wirtschaftlicher Bedeutung für Frankfurt.

Alltag der Bewohner

Das Leben war saisonal geprägt: Aussaat im Frühjahr, Ernte im Sommer, Viehhaltung im Winter. Gemeinschaftliche Arbeitsteilung bestimmte den Rhythmus. Feste und Kirchweihen boten soziale Höhepunkte, während Handelskontakte nach Frankfurt zusätzliche Einnahmen ermöglichten. Typisch war auch die Selbstversorgung: fast jede Familie hielt eigenes Vieh und bewirtschaftete kleine Gärten.

Foto von Frankfurt Interaktiv

Eingemeindung nach Frankfurt und städtebauliche Entwicklung

Am 1. Juli 1910 wurde Hausen zusammen mit anderen Gemeinden wie Bockenheim und Bornheim nach Frankfurt eingemeindet. Dies war ein entscheidender Schritt für die Urbanisierung. Frankfurt benötigte dringend Wohnraum für seine wachsende Bevölkerung, die durch Industrialisierung und Zuwanderung stark anstieg.

Die Eingemeindung brachte tiefgreifende Veränderungen: Hausen erhielt Anschluss an die städtische Infrastruktur mit Wasserleitungen, Abwasserkanälen und Straßenbeleuchtung. Zudem wurde es in das Straßenbahnnetz integriert, was den Zugang zur Innenstadt erleichterte. Auch die Verwaltungsstrukturen wurden angepasst, wodurch Hausen seine politische Eigenständigkeit verlor, gleichzeitig aber von den Vorteilen der Großstadt profitierte.

Gründe für die Eingemeindung

  • Steigender Wohnraumbedarf in Frankfurt um 1900.
  • Verbesserung der Versorgungssysteme (Gas, Wasser, Strom).
  • Ausbau der Verkehrsanbindung durch Straßenbahnen.
  • Integration in die Stadtplanung Frankfurts.
  • Stärkung des Wirtschafts- und Handelsraumes.

Veränderungen in Hausen nach 1945 und Neubaugebiete

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Frankfurt erheblicher Wohnraummangel. Hausen wurde zu einem bevorzugten Standort für Neubausiedlungen. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden großflächige Wohnblöcke, die den dörflichen Charakter fast vollständig verdrängten. Besonders markant war die Heinrich-Lübke-Siedlung, die als typisches Beispiel für Nachkriegsarchitektur gilt.

Die neuen Wohngebiete boten Platz für Arbeiterfamilien und später für Migranten, die im Zuge des Wirtschaftswunders nach Frankfurt kamen. Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten wurden integriert, um die sozialen Bedürfnisse der Bewohner zu decken. Zugleich entstanden Sportanlagen und Grünflächen, die bis heute genutzt werden.

Daten zur Nachkriegsentwicklung (Beispieltabelle)

ZeitraumMaßnahmeErgebnis
1950–1960Bau von GroßsiedlungenStarker Bevölkerungsanstieg
1960–1970Errichtung von SchulenVerbesserung der Bildungsstruktur
1970–1980GrünflächenplanungErhöhung der Lebensqualität
1980–1990Modernisierung WohnblöckeAnpassung an neue Standards
1990–2000Integration MigrantenprojekteSoziale Stabilisierung

Hausen heute: Naherholung, Infrastruktur und Stadtleben

Heute ist Hausen ein Stadtteil, der Ruhe und Urbanität verbindet. Die Nähe zur Nidda und zum Grüngürtel bietet vielfältige Möglichkeiten für Erholung und Sport. Gleichzeitig ist die Frankfurter Innenstadt mit der U-Bahn-Linie U6 in wenigen Minuten erreichbar. Hausen ist dadurch attraktiv für Familien, Berufspendler und ältere Menschen, die stadtnah, aber dennoch grün wohnen möchten.

Die Infrastruktur ist gut ausgebaut: Neben Schulen und Kindergärten gibt es Supermärkte, Sportvereine und Kultureinrichtungen. Historische Gebäude wie die alte Dorfkirche erinnern an die ländliche Vergangenheit, während Neubauten und moderne Wohnanlagen das heutige Bild bestimmen.

Foto von Frankfurt-Lese

Tipps für Besucher und Bewohner

  1. Spaziergänge entlang der Nidda für Erholung im Grünen.
  2. Besuch der Altstadtgassen mit historischen Fachwerkhäusern.
  3. Nutzung der guten U-Bahn-Verbindungen ins Zentrum.
  4. Teilnahme an Sport- und Kulturvereinen zur Integration.
  5. Beobachtung aktueller Bauprojekte, um Preisentwicklungen zu verstehen.

Regionale Besonderheiten

Hausen hat seinen Charakter als „Dorf im Grünen“ teilweise bewahrt. Die enge Verbindung zum Grüngürtel macht den Stadtteil besonders für Freizeitaktivitäten wertvoll. Gleichzeitig ist Hausen ein Beispiel für die Nachkriegsentwicklung Frankfurts: funktionale Architektur trifft auf moderne Stadtplanung.

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