Am Oeder Weg 74 bis 78 in Frankfurt steht ein tiefgreifender Umbruch bevor. Ab November sollen dort drei seit Jahren leerstehende Gebäude abgerissen werden, die insgesamt 116 Wohnungen umfassten. Eigentümer und Investor ist Aberdeen (abrdn) Investments Deutschland, das die Immobilien erst im August von der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) übernommen hat. Die Stadt Frankfurt verzichtete nach Angaben der Beteiligten offiziell auf ihr Vorkaufsrecht für das gesamte Ensemble, zu dem auch weitere Häuser in der Hermann- und Adlerflychtstraße gehören. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf fr.de.
Die Vorgeschichte ist vielschichtig: Bereits 2018 musste die VBL die Wohnungen am Oeder Weg wegen erheblicher statischer Mängel räumen lassen. Nun soll auf dem Areal ein moderner Neubau entstehen. Für die drei abzureißenden Gebäude werde derzeit ein detailliertes Abrisskonzept erarbeitet. Laut einem Sprecher von abrdn werde der Rückbau noch in diesem Jahr beginnen. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollen frühzeitig darüber informiert werden, wie etwa die Entsorgung und der Abtransport des Schutts erfolgen. Man gehe davon aus, dass die Arbeiten zügig abgeschlossen werden können.
Die restlichen Immobilien, die Aberdeen übernommen hat, werden derzeit begutachtet. Vor Beginn der Abbrucharbeiten sollen sämtliche Wohnungen sowie ein Lokal an der Ecke Adlerflychtstraße/Oeder Weg überprüft werden. Dieses Verfahren zur Beweissicherung soll den baulichen Zustand dokumentieren, um mögliche Schadensansprüche infolge des Abrisses nachvollziehbar zu machen.
Für den geplanten Neubau ab 2026 übernimmt Aberdeen die bereits vorhandenen Pläne eines Frankfurter Architekturbüros, die im Auftrag der VBL erarbeitet und bereits genehmigt wurden. Zwar werde der Entwurf in Details überarbeitet, an den Grunddimensionen ändere sich jedoch nichts. Vorgesehen ist ein Mehrfamilienhaus mit 34 Wohnungen sowie die Neugestaltung der in die Jahre gekommenen Außenanlagen.
Unklar bleibt hingegen, in welchem Zustand sich die weiteren Gebäude des gesamten Ensembles befinden. Derzeit laufen Untersuchungen, nachdem im Vorjahr bereits Bohrungen in den Zwischendecken einzelner Wohnungen vorgenommen wurden. Ergebnisse wurden bisher nicht veröffentlicht. Auch im Rhein-Main-Gebiet hat die VBL weitere Immobilien veräußert, insgesamt 15 Objekte. Die Gespräche mit möglichen Käufern seien noch nicht abgeschlossen. Sogar die städtische ABG Holding hatte sich mit einem Kaufangebot beworben, eine Entscheidung liegt bislang jedoch nicht vor.
Unter den Mieterinnen und Mietern herrscht Verunsicherung. Viele fragen sich, wie es für ihre Wohnungen weitergeht und hätten sich einen Käufer gewünscht, der stärker gemeinwohlorientiert handelt. Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) begrüßt den Abriss am Oeder Weg, bezeichnete diesen als „überfällig“. Zugleich betonte sie die Notwendigkeit, dass die Straße trotz Bauarbeiten für den Busverkehr passierbar bleiben müsse. Ebenso sei ein sachgemäßer Abtransport möglicher umweltschädlicher Materialien sicherzustellen.
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Foto von Christoph Boeckheler








