Der erste Ausblick auf den kommenden Winter sorgt für Diskussionen unter Meteorologen: Laut aktuellen Analysen könnte der Winter in Deutschland, insbesondere in Hessen, später beginnen, dafür aber kälter ausfallen als in den Vorjahren. Der Grund liegt offenbar in einem ungewöhnlich schwachen Polarwirbel, wie der Wetterkanal „Weather Channel“ berichtet. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf bild.de.
Der Polarwirbel, eine massive Strömung kalter Winde in der Stratosphäre über der Arktis, spielt eine zentrale Rolle im europäischen Wintergeschehen. Normalerweise bleibt die Kälte durch den stabilen Wirbel im hohen Norden gefangen. Doch sobald er instabil oder „zerzaust“ wird, können arktische Luftmassen weit nach Süden vordringen – bis nach Mitteleuropa und somit auch nach Hessen. Die Folge: längere Frostphasen und vermehrte Schneefälle.
Klimatologe Dr. Karsten Brandt von Donnerwetter.de erläutert gegenüber BILD: „Die beginnende La-Niña-Phase und ein schwächerer Polarwirbel erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines kälteren Winters in Europa. Es handelt sich jedoch nicht um eine Prognose, sondern eher um eine mögliche Entwicklung. Auch die Modelle des US-Wetterdienstes NOAA deuten auf diesen Trend hin.“ Brandt betont zugleich, dass die Unsicherheit groß bleibt, da viele Faktoren das Wettergeschehen beeinflussen.
Fakt ist: Der Polarwirbel ist kein eigenständiges Wetterphänomen, sondern Teil eines komplexen Systems, das von Meeresströmungen, Jetstream, Luftdruckverhältnissen und atmosphärischen Wellen geprägt ist. Selbst geringe Veränderungen in diesen Systemen können das Klima in Mitteleuropa erheblich beeinflussen. Besonders im Übergang von November zu Dezember entscheidet sich, ob die kalten Luftmassen den Weg nach Deutschland finden.
Für Hessen könnte das bedeuten: mehr Frosttage in höheren Lagen wie im Taunus oder der Rhön, aber auch vereiste Straßen und frühe Winterdiensteinsätze in Städten wie Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt. In den vergangenen Jahren blieb der Winter dort meist mild und feucht. Sollte sich der Einfluss des Polarwirbels bestätigen, könnte sich das Blatt diesmal wenden – mit Schneefällen sogar in tiefen Lagen.
Wetterexperte Brandt fügt hinzu: „Besonders im Dezember und Januar steigt die Wahrscheinlichkeit für winterliche Phasen. Dennoch ist Vorsicht geboten – nur der Polarwirbel allein reicht nicht aus, um den Winter vorherzusagen. Erst das Zusammenspiel mit der La-Niña-Phase könnte den Ausschlag geben.“
Nicht alle Fachleute teilen jedoch diese Einschätzung. Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net hält den Mythos eines „Polarwirbel-Winters“ für überzogen: „Die Vorstellung, dass ein schwacher Polarwirbel automatisch einen eisigen Winter bringt, gehört eher in die Rubrik meteorologische Märchen. Wer jetzt schon von Extremwintern spricht, sorgt mehr für Schlagzeilen als für seriöse Vorhersagen.“
Trotz aller Unsicherheiten raten Wetterdienste den Bürgern in Hessen, vorbereitet zu bleiben: Winterreifen frühzeitig wechseln, Heizsysteme prüfen und Streusalz bevorraten. Auch Pendler und Bahnreisende sollten im Blick behalten, dass wetterbedingte Verspätungen im Dezember zunehmen könnten.
Ein Blick in die Statistik zeigt zudem: Schwache Polarwirbel gingen in der Vergangenheit häufig mit außergewöhnlichen Kälteeinbrüchen einher – so etwa im Winter 2010, als Deutschland wochenlang unter Schnee und Frost litt. Ob sich dieses Muster 2025 wiederholt, bleibt offen, doch Meteorologen sehen Anzeichen für einen „klassischeren“ Winterverlauf.
Mehr über Frankfurt, seine Familienorte und das Leben im Rhein-Main-Gebiet lesen Sie auf SoFrankfurt – Ihrer Redaktion für die Stadt, die Sie bewegt. Lesen Sie auch: Autobahn A67 bleibt länger gesperrt: Verzögerungen nach Brückensprengungen sorgen für Verkehrschaos
Foto von 20min








