Die Zukunft des Juridicums in Bockenheim bleibt hoch umstritten. Nachdem sich bereits die CDU-Fraktion im Römer für einen Abriss ausgesprochen hatte, folgt nun auch die FDP dieser Linie. Beide Oppositionsparteien in Frankfurt sehen in dem baufälligen Bauwerk keinen Nutzen mehr – weder für Wohnzwecke noch für Kunst oder gesellschaftliches Engagement. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf journal-frankfurt.de.
CDU-Fraktionschef Nils Kößler machte deutlich, dass das Gebäude „faktisch nicht weiter nutzbar“ sei. Auch die FDP schließt sich dieser Einschätzung an. In einer Pressemitteilung betont die Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 2, Sophie Hartmann, dass ein Festhalten am Bestand „angesichts moderner Anforderungen an Energieeffizienz und zeitgemäße Nutzungsmöglichkeiten nicht zielführend“ sei. Aus städtebaulicher wie auch ökologischer Sicht sei der Abriss die konsequente Lösung.
Die Liberalen stützen sich dabei auf ein Gutachten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, die als künftige Eigentümerin der Flächen vorgesehen ist. ABG hatte das Architekturbüro AS+P Albert Speer + Partner GmbH sowie das Ingenieurbüro bauart Konstruktions GmbH & Co. KG mit einer Machbarkeitsuntersuchung beauftragt. Diese Studie analysiert sowohl die Bausubstanz des Juridicums als auch die Möglichkeiten einer Umnutzung.
Im Fokus der Kritik steht vor allem die sogenannte „Schwarze Wanne“, eine aufwendige Abdichtung gegen Grundwasser im Kellergeschoss. Nach Ansicht der FDP müsste diese komplett erneuert werden. Darüber hinaus entspricht die technische Ausstattung des Gebäudes „nicht mehr den heutigen Anforderungen“. Besonders problematisch ist die Senkung des Grundwasserspiegels durch dauerhaftes Abpumpen. Laut Gutachten sei dies „nach heutigen Standards nicht mehr zulässig“. Zudem werde täglich eine erhebliche Menge Wasser abgeführt – ökologisch bedenklich und energetisch ineffizient. Die FDP folgert daraus, dass ein Abriss nicht nur praktikabler, sondern auch nachhaltiger sei.
Gleichzeitig weist die Untersuchung auf widersprüchliche Aspekte hin. So wird die Bausubstanz des Juridicums und des nördlich angrenzenden Mehrzweckgebäudes als grundsätzlich solide beschrieben. Technische Nachbesserungen, etwa beim Brandschutz, seien möglich. Damit wäre ein Umbau mit anschließender Wohnnutzung rein technisch machbar. Dennoch betonen die Architekten, dass ein Erhalt ökonomisch wie ökologisch „nicht zu empfehlen“ sei.
Die Verfasser des Gutachtens präsentieren vier Entwicklungsvarianten: Sie reichen vom kompletten Erhalt beider Gebäude bis hin zu einem vollständigen Abriss mit anschließendem Neubau. Klar ist hingegen die Einschätzung zur bestehenden Tiefgarage. Diese gilt als marode und soll nach Meinung der Gutachter in jedem Fall abgerissen werden. Die Garage unterbaut die Freiflächen westlich des Juridicums sowie die Mertonstraße und wird als nicht mehr sanierungsfähig angesehen.
Damit bleibt die Entscheidung über die Zukunft des Juridicums weiterhin offen. Die politischen Fronten sind jedoch klar abgesteckt: CDU und FDP sehen den Abriss als einzige realistische Lösung, während die Gutachten zwar technische Möglichkeiten zum Umbau aufzeigen, diese aber gleichzeitig aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen verwerfen
Mehr über Frankfurt, seine Familienorte und das Leben im Rhein-Main-Gebiet lesen Sie auf SoFrankfurt – Ihrer Redaktion für die Stadt, die Sie bewegt. Lesen Sie auch: Frankfurt plant: Zukunft des Karstadt-Areals zwischen Parkhaus-Sanierung und Neubauideen
Foto von Das Juridicum in Bockenheim © Florian Mähl/Frankfurt UAS








