Die Passagiere der Lufthansa stehen möglicherweise vor erheblichen Beeinträchtigungen: In einer Urabstimmung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben sich die Pilotinnen und Piloten mit klarer Mehrheit für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Ein konkreter Termin für den Streik wurde zwar nicht genannt, doch der Arbeitsausstand könnte mit Beginn der hessischen Herbstferien am kommenden Montag zusammenfallen. Darüber berichtet SoFrankfurt unter Berufung auf hessenschau.de.

Die Tarifkommission der Gewerkschaft muss nun über das weitere Vorgehen entscheiden. Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen erahnen, wie massiv die Auswirkungen sein könnten: Bei früheren Pilotenstreiks hatte Lufthansa nahezu ihr gesamtes Flugprogramm in dem betroffenen Zeitraum eingestellt. Nach Angaben von VC nahmen 90 Prozent der Lufthansa-Piloten und 95 Prozent der Piloten der Lufthansa Cargo an der Abstimmung teil. Mit 88 Prozent Zustimmung bei der Kernflotte und 96 Prozent bei Cargo wurde die notwendige Schwelle von 70 Prozent deutlich überschritten. Stimmenthaltungen sowie Nicht-Teilnahmen wurden als Nein-Stimmen gewertet. Der letzte Streik der Lufthansa-Piloten liegt drei Jahre zurück, im Jahr 2022.

VC-Präsident Andreas Pinheiro sprach nach dem Ergebnis von einem „starken Signal der Geschlossenheit unserer Mitglieder“. Die Pilotinnen und Piloten stünden klar hinter den Forderungen und ihrer Tarifkommission. Arne Karstens, Sprecher der Tarifkommission, forderte die Lufthansa auf, das Votum ernst zu nehmen und endlich ein verhandlungsfähiges Angebot zur betrieblichen Altersversorgung vorzulegen. Lufthansa hingegen reagierte zurückhaltend. Ein Unternehmenssprecher erklärte, man nehme das Ergebnis zur Kenntnis, habe von der VC jedoch bisher keine formale Mitteilung erhalten.

Kern des Konflikts sind die Betriebsrenten für rund 4.800 Pilotinnen und Piloten. Die VC war ursprünglich mit der Forderung in die Gespräche gegangen, den Arbeitgeberanteil an den Betriebsrenten zu verdreifachen. Im Verlauf von sieben Verhandlungsrunden wurde diese Position mehrfach angepasst, ohne dass eine Einigung erzielt werden konnte. „Die Altersvorsorge ist ein zentrales Fundament der Lebensplanung für Pilotinnen und Piloten – mindestens genauso wichtig wie die gesetzliche Rente“, erklärte Karstens. Lufthansa-Chef Jens Ritter hingegen verwies zuletzt auf die schwierige finanzielle Lage der defizitären Kerngesellschaft und betonte, es stünden schlicht keine Mittel zur Verfügung, um die bestehende betriebliche Altersvorsorge weiter auszubauen.

Die Spannung zwischen Management und Cockpitpersonal verschärfte sich zusätzlich durch die jüngste Unternehmensstrategie. Der Vorstand hatte erst am Montag gegenüber Investoren bestätigt, dass kleinere Flugzeuge und damit auch Piloteneinsätze zunehmend in Tochtergesellschaften mit geringeren Lohnkosten ausgelagert werden sollen. Bis 2030 soll etwa die Hälfte der Kurz- und Mittelstreckenjets von Betrieben außerhalb der Kernmarke Lufthansa betrieben werden. Hierfür wurden unter anderem die Gesellschaften Discover und City Airlines gegründet.

Diese Pläne stoßen nicht nur bei den Pilotinnen und Piloten auf Widerstand, sondern auch bei der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, die ihre Tarifverhandlungen ebenfalls für gescheitert erklärte. Rechtlich dürfen die Gewerkschaften gegen unternehmerische Strategieentscheidungen jedoch nicht streiken, da diese nicht Gegenstand von Tarifverträgen sind.

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Foto von picture alliance/dpa | Boris Roessler

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